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Precision Farming: Technologiesprung in der Landwirtschaft

Landwirtschaft ist längst innovativ, digital und für die Zukunft gerüstet. Bestes Beispiel: Precision Farming. Hier nutzt der Agrarsektor Ideen und Technologien, die es auch in der Industrie 4.0 gibt.
Precision Farming: Technologiesprung in der Landwirtschaft Landwirtschaft wird digital: Beim Precision Farming kommen die neusten Technologie zum Einsatz. (© 2015 PointImages/Shutterstock)

Das Konzept Precision Farming

Selbstfahrende Traktoren, Big-Data und Mensch-Maschine-Systeme: Warum sollten sich technologische Quantensprünge nur in der Industrie 4 .0 abspielen? Schließlich hat die Agrarwirtschaft seit jeher Innovationen umgesetzt. Explosives Bevölkerungswachstum zwang Bauern zu mechanisieren, effektiver zu düngen und alte Muster zu überdenken.

Ein neuer Schritt in diese Evolution der Technologien ist das Precision Farming. Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Das sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft definiert ihn beispielsweise so:

"Precision Farming ist die ortsdifferenzierte und zielgerichtete Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen."

Dazu ergänzen die Autoren:

"Die kleinräumige Betrachtung des Bodens und Führung der Pflanzenbestände ermöglicht eine genaue Feldbearbeitung sowie Ausbringung landwirtschaftlicher Betriebsmittel […]"

Oberstes Gebot der Präzisionslandwirtschaft ist Effizienz. Dazu werden alle Ebenen der Wertschöpfungskette miteinander vernetzt. Das klingt bekannt – und lässt sich fasst wörtlich auf andere Wirtschaftszweige übertragen. Geräte und Prozesse werden digital, dadurch kontrollierbar und können bis zum Maximum optimiert werden.

Laut einer Bitkom-Studie stoßen die Ideen bei der Mehrheit der Bauern auf offene Ohren. 60 Prozent der Befragten erwarten von den Innovationen eine Verbesserung.

Technologien im Precision Farming

Allerdings sind Begriffe wie Vernetzung und Digitalisierung noch herzlich ungenau. Werfen wir daher einen Blick auf de facto Technologien im Precision Farming.

Zum Beispiel spielen satellitengestützte Lenksysteme für Traktoren, Mähdrescher und andere Landmaschinen eine wichtige Rolle bei dem Gesamtkonzept. Die Fahrzeuge werden mithilfe von GPS-Daten präzise gesteuert – künftig können diese sogar völlig autonom fahren.

Experten bringen beim Precision Farming gleichzeitig Big-Data-Anwendungen zum Einsatz. Klima- und Bodendaten erleichtern den gezielten Einsatz von Düngemitteln. Bei dieser Smart-Farming-Methode messen stationäre und mobile Sensoren kontinuierlich Veränderungen – genaue Analysen sind möglich.

Bauern bringen die Präzisionslandwirtschaft natürlich nicht nur auf das Feld, sondern beispielsweise auch in den Kuhstall. Precision Livestock Farming heißt das Zauberwort: Melkroboter und automatische Futterzufuhr sorgen für einen gesunden Tierbestand.

Stärken der Präzisionslandwirtschaft

Die Vorteile dieser Digitalisierung liegen auf der Hand. Werfen wir erneut einen Blick auf die Lenksysteme für Maschinen:

  • Die Leistung kann messbar erhöht werden.
  • Eine Doppelbearbeitung der Felder wird vermieden.
  • Fahrer der Landmaschinen werden entlastet, denn die Arbeitszeiten sind deutlich kürzer.

Precision Farming hat noch mehr Stärken:

  • Landwirte arbeiten bodenschonend.
  • Ressourcen wie Dünger, Pflanzenschutzmittel, Kraftstoffe, Saatgut und Bewässerung werden gespart.
  • Insgesamt wird die ökologische Belastung durch den Präzisionseinsatz von Schadstoffen geringer.

Anwendungsgebiete und Märkte der smarten Landwirtschaft

Analysten von Roland Berger Strategy Consultants offenbaren in einer Studie allerdings einen Nachteil: Landwirte brauchen für die digitale Arbeit spezielles Know-how. Laut der Untersuchung werden entsprechende Technologien bis 2020 daher vor allen in Europa und Nordamerika etabliert sein.

Andere Regionen ziehen allerdings nach.

"Besonders stark wachsen werden aber Länder wie Asien oder Südamerika",

meint Sebastian Gundermann, Partner bei Roland Berger. Er fügt hinzu:

"Auch wenn es hier momentan noch an der technischen Ausstattung und geschultem Personal fehlt, erwarten wir zukünftig Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent."

Und wie sieht es im Augenblick in Deutschland aus? In Sachsen gibt es beispielsweise bereits entsprechende Systeme mit GPS-Führung. Das Technikwissen holen sich die Landwirte dabei von einem IT-Dienstleister. Dieser berechnet anhand von Daten zum Beispiel die Kalkung und Grundnährstoffdüngung mit Magnesium, Kalium und Phosphor. Zusätzlich stellt er digitalisierte Karten für die Präzisionsdüngung zur Verfügung.

Mit anderen Worten: Dort wo der Kenntnisstand fehlt, springen Outsourcing-Partner mit Expertise ein.

Digitalisierung der Agrarwirtschaft

Precision Farming ist für den innovativen Technologie-Mittelstand ein Segen. Denn die viel beschworene Vernetzung der Arbeitsebenen ist ganzheitlich zu betrachten: Der Agrarsektor öffnet sich anderen Wirtschaftszweigen und durch Synergien werden ganz neue Märkte geschaffen.

Norbert Dressler fasst in der oben genannte Roland-Berger-Studie zusammen:

"Precision Farming wird den Landwirtschaftssektor stark verändern. Nur wenn Unternehmen in der Lage sind, ihr Geschäftsmodell schnell an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen, können sie das erhebliche Potenzial der Branche für sich nutzen."

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Precision Farming: Technologiesprung in der Landwirtschaft Landwirtschaft wird digital: Beim Precision Farming kommen die neusten Technologie zum Einsatz. (© 2015 PointImages/Shutterstock)

Das Konzept Precision Farming

Selbstfahrende Traktoren, Big-Data und Mensch-Maschine-Systeme: Warum sollten sich technologische Quantensprünge nur in der Industrie 4 .0 abspielen? Schließlich hat die Agrarwirtschaft seit jeher Innovationen umgesetzt. Explosives Bevölkerungswachstum zwang Bauern zu mechanisieren, effektiver zu düngen und alte Muster zu überdenken.

Ein neuer Schritt in diese Evolution der Technologien ist das Precision Farming. Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Das sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft definiert ihn beispielsweise so:

"Precision Farming ist die ortsdifferenzierte und zielgerichtete Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen."

Dazu ergänzen die Autoren:

"Die kleinräumige Betrachtung des Bodens und Führung der Pflanzenbestände ermöglicht eine genaue Feldbearbeitung sowie Ausbringung landwirtschaftlicher Betriebsmittel […]"

Oberstes Gebot der Präzisionslandwirtschaft ist Effizienz. Dazu werden alle Ebenen der Wertschöpfungskette miteinander vernetzt. Das klingt bekannt – und lässt sich fasst wörtlich auf andere Wirtschaftszweige übertragen. Geräte und Prozesse werden digital, dadurch kontrollierbar und können bis zum Maximum optimiert werden.

Laut einer Bitkom-Studie stoßen die Ideen bei der Mehrheit der Bauern auf offene Ohren. 60 Prozent der Befragten erwarten von den Innovationen eine Verbesserung.

Technologien im Precision Farming

Allerdings sind Begriffe wie Vernetzung und Digitalisierung noch herzlich ungenau. Werfen wir daher einen Blick auf de facto Technologien im Precision Farming.

Zum Beispiel spielen satellitengestützte Lenksysteme für Traktoren, Mähdrescher und andere Landmaschinen eine wichtige Rolle bei dem Gesamtkonzept. Die Fahrzeuge werden mithilfe von GPS-Daten präzise gesteuert – künftig können diese sogar völlig autonom fahren.

Experten bringen beim Precision Farming gleichzeitig Big-Data-Anwendungen zum Einsatz. Klima- und Bodendaten erleichtern den gezielten Einsatz von Düngemitteln. Bei dieser Smart-Farming-Methode messen stationäre und mobile Sensoren kontinuierlich Veränderungen – genaue Analysen sind möglich.

Bauern bringen die Präzisionslandwirtschaft natürlich nicht nur auf das Feld, sondern beispielsweise auch in den Kuhstall. Precision Livestock Farming heißt das Zauberwort: Melkroboter und automatische Futterzufuhr sorgen für einen gesunden Tierbestand.

Stärken der Präzisionslandwirtschaft

Die Vorteile dieser Digitalisierung liegen auf der Hand. Werfen wir erneut einen Blick auf die Lenksysteme für Maschinen:

  • Die Leistung kann messbar erhöht werden.
  • Eine Doppelbearbeitung der Felder wird vermieden.
  • Fahrer der Landmaschinen werden entlastet, denn die Arbeitszeiten sind deutlich kürzer.

Precision Farming hat noch mehr Stärken:

  • Landwirte arbeiten bodenschonend.
  • Ressourcen wie Dünger, Pflanzenschutzmittel, Kraftstoffe, Saatgut und Bewässerung werden gespart.
  • Insgesamt wird die ökologische Belastung durch den Präzisionseinsatz von Schadstoffen geringer.

Anwendungsgebiete und Märkte der smarten Landwirtschaft

Analysten von Roland Berger Strategy Consultants offenbaren in einer Studie allerdings einen Nachteil: Landwirte brauchen für die digitale Arbeit spezielles Know-how. Laut der Untersuchung werden entsprechende Technologien bis 2020 daher vor allen in Europa und Nordamerika etabliert sein.

Andere Regionen ziehen allerdings nach.

"Besonders stark wachsen werden aber Länder wie Asien oder Südamerika",

meint Sebastian Gundermann, Partner bei Roland Berger. Er fügt hinzu:

"Auch wenn es hier momentan noch an der technischen Ausstattung und geschultem Personal fehlt, erwarten wir zukünftig Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent."

Und wie sieht es im Augenblick in Deutschland aus? In Sachsen gibt es beispielsweise bereits entsprechende Systeme mit GPS-Führung. Das Technikwissen holen sich die Landwirte dabei von einem IT-Dienstleister. Dieser berechnet anhand von Daten zum Beispiel die Kalkung und Grundnährstoffdüngung mit Magnesium, Kalium und Phosphor. Zusätzlich stellt er digitalisierte Karten für die Präzisionsdüngung zur Verfügung.

Mit anderen Worten: Dort wo der Kenntnisstand fehlt, springen Outsourcing-Partner mit Expertise ein.

Digitalisierung der Agrarwirtschaft

Precision Farming ist für den innovativen Technologie-Mittelstand ein Segen. Denn die viel beschworene Vernetzung der Arbeitsebenen ist ganzheitlich zu betrachten: Der Agrarsektor öffnet sich anderen Wirtschaftszweigen und durch Synergien werden ganz neue Märkte geschaffen.

Norbert Dressler fasst in der oben genannte Roland-Berger-Studie zusammen:

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