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Arbeitssucht: Sind Sie ein Workaholic?

Jeder kennt ihn: Den Kollegen, der als Erster im Büro erscheint und es als Letzter verlässt. Spricht man dann schon von Arbeitssucht? Oder ist der Job einfach nur Passion? Woran Sie Workaholics erkennen und welche Maßnahmen helfen.
Arbeitssucht: Sind Sie ein Workaholic? Typisches Anzeichen von Arbeitssucht: Betroffene bleiben lange im Büro. (© 2016 Andrey_Popov/Shutterstock)

Arbeitssüchtige sind oft ineffizient

Wer viel Zeit im Betrieb verbringt, ist nicht automatische ein Workaholic. Es gibt immer Phasen, in denen mal längere Arbeitszeiten anfallen. Eine allgemeingültige Definition des Begriffs gibt es nicht, sagt Psychologe und Experte im Gebiet Arbeitssucht Stefan Poppelreuter in "Manager-Magazin". Schätzungen zufolge sind zwischen 200.000 und 300.000 Beschäftigte in Deutschland von der Arbeitssucht betroffen, meint er. Ein Indiz, das auf eine krankhafte Einstellung gegenüber der Arbeit schließen lässt, ist, dass sich Betroffene ohne diese unwohl fühlen. Das haben psychologische Studien gezeigt. Ute Rademacher, Dozentin an der International School of Management (ISM) in Hamburg erklärt dazu:

"Arbeitssüchtige benötigen das Gefühl, permanent produktiv zu sein und gebraucht zu werden."

Produktivität ist allerdings nicht gleichzusetzen mit Effizienz. Häufig sind Arbeitssüchtige mit den Anforderungen überfordert, können nicht delegieren und sind schlechte Teamplayer. Woher kommt dieser Drang zur Arbeit eigentlich? Für Viele ist der Job eine Flucht vor anderen Konflikten im Leben.

Typische Anzeichen für eine Arbeitssucht

Arbeitssucht kann sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Achten Sie auf folgende Anzeichen:

  • Schwierigkeiten zu delegieren. Arbeitssüchtigen fällt es schwer, Aufgaben abzugeben. Sie fürchten den Kontrollverlust und glauben, nur sie allein seien dazu im Stande, die Arbeit zufriedenstellend zu erledigen.
  • Private Aufgaben bleiben liegen. Workaholics leben für ihre Arbeit. Privaten Aufgaben widmen sie kaum Zeit – wann auch, wenn sich all ihre Gedanken um den Job drehen. Folglich bleibt der Kühlschrank leer, der Wäscheberg türmt sich fast bis zur Decke und auch andere Hausarbeiten bleiben liegen.
  • Kein existentes Privatleben. Je mehr Zeit man im Büro verbringt, desto weniger bleibt für Familie und Freunde – logisch. Die Gefahr: Man vereinsamt und gerät noch tiefer in den Strudel der Arbeitssucht.
  • Der Job als einziges Thema. Workaholics reden permanent nur über ihren Job. Und zwar sowohl mit ihren Kollegen als auch ihren Freunden.

Die gesundheitlichen Folgen von Arbeitssucht

Die Droge Arbeit kann auf Dauer Psyche und Körper erheblichen Schaden zufügen. Da Arbeitssüchtige oftmals Perfektionisten sind und ein Gros ihrer Zeit der Arbeit widmen, können sie nicht richtig entspannen. Die Folgen sind nicht selten Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magengeschwüre, ja sogar ein Herzinfarkt ist möglich. Auf psychischer Ebene können die Frustrationen darüber, trotz Vielarbeit keine effektiven Ergebnisse zu erreichen, zu Depressionen führen. Die soziale Abschottung trägt ihren Anteil dazu bei. Manchmal führt die Arbeitssucht zum Burnout. Die Begriffe sind allerdings nicht synonym. Wie sich Burnout vermeiden lässt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Burnout-Prävention.

Kurzfristige und langfristige Maßnahmen

Nur wer erkennt, dass er ein ernsthaftes Problem hat, ist auch bereit dazu, seine Arbeits- und Lebensweise zu verändern. Aber auch ein aufmerksamer Chef kann seine Mitarbeiter unterstützten, indem er gemeinsam mit Betroffenen Lösungen erarbeitet. Das kann beispielsweise ein veränderter Aufgabenbereich sein oder eine kürzere Arbeitszeit.

Kurzfristig hilft es auch, zu lernen, sich ausgiebige Mittagspausen zu gönnen – Fachliteratur und  Gespräche über die Arbeit sind in dieser Zeit tabu. Auf lange Sicht ist in manchen Fällen eine Therapie nötig, um den Lebensstil nachhaltig zu verändern. Aber auch Selbsthilfegruppen sind eine gute erste Anlaufstelle, um sich mit anderen Workaholics auszutauschen.

Weiterführende Links:

  • Weitere interessante Fakten zum Thema Arbeitssucht, hat das ARD-Portal "Planet Wissen" zusammengefasst.
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall und Exitus – so kann das Ende der Managerkrankheit aussehen. Lesen Sie in unserem Beitrag 5 Fakten über Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Wenn sich die Aufträge auf Ihrem Schreibtisch stapeln, dann wird es Zeit, richtig delegieren zu lernen.
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Jeder kennt ihn: Den Kollegen, der als Erster im Büro erscheint und es als Letzter verlässt. Spricht man dann schon von Arbeitssucht? Oder ist der Job einfach nur Passion? Woran Sie Workaholics erkennen und welche Maßnahmen helfen.
Arbeitssucht: Sind Sie ein Workaholic? Typisches Anzeichen von Arbeitssucht: Betroffene bleiben lange im Büro. (© 2016 Andrey_Popov/Shutterstock)

Arbeitssüchtige sind oft ineffizient

Wer viel Zeit im Betrieb verbringt, ist nicht automatische ein Workaholic. Es gibt immer Phasen, in denen mal längere Arbeitszeiten anfallen. Eine allgemeingültige Definition des Begriffs gibt es nicht, sagt Psychologe und Experte im Gebiet Arbeitssucht Stefan Poppelreuter in "Manager-Magazin". Schätzungen zufolge sind zwischen 200.000 und 300.000 Beschäftigte in Deutschland von der Arbeitssucht betroffen, meint er. Ein Indiz, das auf eine krankhafte Einstellung gegenüber der Arbeit schließen lässt, ist, dass sich Betroffene ohne diese unwohl fühlen. Das haben psychologische Studien gezeigt. Ute Rademacher, Dozentin an der International School of Management (ISM) in Hamburg erklärt dazu:

"Arbeitssüchtige benötigen das Gefühl, permanent produktiv zu sein und gebraucht zu werden."

Produktivität ist allerdings nicht gleichzusetzen mit Effizienz. Häufig sind Arbeitssüchtige mit den Anforderungen überfordert, können nicht delegieren und sind schlechte Teamplayer. Woher kommt dieser Drang zur Arbeit eigentlich? Für Viele ist der Job eine Flucht vor anderen Konflikten im Leben.

Typische Anzeichen für eine Arbeitssucht

Arbeitssucht kann sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Achten Sie auf folgende Anzeichen:

  • Schwierigkeiten zu delegieren. Arbeitssüchtigen fällt es schwer, Aufgaben abzugeben. Sie fürchten den Kontrollverlust und glauben, nur sie allein seien dazu im Stande, die Arbeit zufriedenstellend zu erledigen.
  • Private Aufgaben bleiben liegen. Workaholics leben für ihre Arbeit. Privaten Aufgaben widmen sie kaum Zeit – wann auch, wenn sich all ihre Gedanken um den Job drehen. Folglich bleibt der Kühlschrank leer, der Wäscheberg türmt sich fast bis zur Decke und auch andere Hausarbeiten bleiben liegen.
  • Kein existentes Privatleben. Je mehr Zeit man im Büro verbringt, desto weniger bleibt für Familie und Freunde – logisch. Die Gefahr: Man vereinsamt und gerät noch tiefer in den Strudel der Arbeitssucht.
  • Der Job als einziges Thema. Workaholics reden permanent nur über ihren Job. Und zwar sowohl mit ihren Kollegen als auch ihren Freunden.

Die gesundheitlichen Folgen von Arbeitssucht

Die Droge Arbeit kann auf Dauer Psyche und Körper erheblichen Schaden zufügen. Da Arbeitssüchtige oftmals Perfektionisten sind und ein Gros ihrer Zeit der Arbeit widmen, können sie nicht richtig entspannen. Die Folgen sind nicht selten Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magengeschwüre, ja sogar ein Herzinfarkt ist möglich. Auf psychischer Ebene können die Frustrationen darüber, trotz Vielarbeit keine effektiven Ergebnisse zu erreichen, zu Depressionen führen. Die soziale Abschottung trägt ihren Anteil dazu bei. Manchmal führt die Arbeitssucht zum Burnout. Die Begriffe sind allerdings nicht synonym. Wie sich Burnout vermeiden lässt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Burnout-Prävention.

Kurzfristige und langfristige Maßnahmen

Nur wer erkennt, dass er ein ernsthaftes Problem hat, ist auch bereit dazu, seine Arbeits- und Lebensweise zu verändern. Aber auch ein aufmerksamer Chef kann seine Mitarbeiter unterstützten, indem er gemeinsam mit Betroffenen Lösungen erarbeitet. Das kann beispielsweise ein veränderter Aufgabenbereich sein oder eine kürzere Arbeitszeit.

Kurzfristig hilft es auch, zu lernen, sich ausgiebige Mittagspausen zu gönnen – Fachliteratur und  Gespräche über die Arbeit sind in dieser Zeit tabu. Auf lange Sicht ist in manchen Fällen eine Therapie nötig, um den Lebensstil nachhaltig zu verändern. Aber auch Selbsthilfegruppen sind eine gute erste Anlaufstelle, um sich mit anderen Workaholics auszutauschen.

Weiterführende Links:

  • Weitere interessante Fakten zum Thema Arbeitssucht, hat das ARD-Portal "Planet Wissen" zusammengefasst.
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall und Exitus – so kann das Ende der Managerkrankheit aussehen. Lesen Sie in unserem Beitrag 5 Fakten über Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Wenn sich die Aufträge auf Ihrem Schreibtisch stapeln, dann wird es Zeit, richtig delegieren zu lernen.
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