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Arbeitszeit verkürzen: Das ist rechtlich möglich

Ihr Mitarbeiter bittet darum, seine Arbeitszeit verkürzen zu dürfen oder Sie möchten ihn in geringerem Umfang beschäftigen? Ob das funktioniert sowie weitere Möglichkeiten rundum das Thema Arbeitszeitreduzierung, klären wir in unserem Beitrag.
Arbeitszeit verkürzen: Das ist rechtlich möglich Nehmen Sie den Arbeitsvertrag genauer unter die Lupe, um zu klären, ob Sie die Arbeitszeit verkürzen dürfen. (© 2016 igorstevanovic/Shutterstock)

Dürfen Arbeitnehmer Ihre Arbeitszeit verkürzen?

Ja, gemäß § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) dürfen Beschäftigte Ihre Arbeitszeit verkürzen, wenn...

  • Sie länger als sechs Monate in Ihrem Unternehmen beschäftigt sind und
  • in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer eingestellt sind – exklusive Auszubildende.

Der Arbeitnehmer muss die Verringerung der Arbeitszeit spätestens drei Monate vor Beginn der erwünschten Verkürzung von Ihnen verlangen. Sie können den Wunsch auch ablehnen, nämlich dann, wenn es aus betrieblichen Gründen notwendig ist. Die liegen vor, wenn beispielsweise die verkürzte Arbeitszeit den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Unternehmen wesentlich beeinträchtigt.

Stimmen Sie der Anfrage zu, muss ein neuer Arbeitsvertrag aufgesetzt werden. Der Arbeitnehmer erhält dann einen Teilzeitvertrag. Merke: Eine Umkehrung der Änderung, also eine erneute Vollzeitbeschäftigung, bedarf Ihrer Zustimmung.

Dürfen Arbeitgeber die Arbeitszeit verkürzen?

Die Anzahl der Arbeitsstunden ist im Arbeitsvertrag festgelegt. Sie dürfen den Vertrag nicht einseitig ändern. Anders der Fall, wenn eine flexible Arbeitsstundenzahl vereinbart wurde. Dann ist der Arbeitgeber berechtigt, die Arbeitszeit zu verkürzen – allerdings nicht unter jeden Umständen. So darf die bestehende Arbeitszeit nicht um mehr als 20 Prozent reduziert werden. Wenn ein Angestellter also 40 Stunden gearbeitet hat, dürfen Sie – sofern eine Änderungsklausel im Vertrag besteht – maximal auf 32 Stunden runtergehen.

Und auch dann ist nicht klar, ob Sie die Arbeitszeitverkürzung durchsetzen können wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt: Ein Kundenbetreuer klagte erfolgreich gegen die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Nach der Wiedereinstellung machte der Chef Gebrauch von der Änderungsklausel im individuell vereinbarten Arbeitsvertrag und reduzierte die Arbeitszeit des Angestellten von 40 auf 32 Stunden. Auch dagegen klagte der Arbeitnehmer und bekam abermals Recht.

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg urteilte (Az.: 21 Sa 903/14), dass das Direktionsrecht des Arbeitgebers in diesem Fall nicht Anwendung findet, da es nicht nach sogenanntem billigem Ermessen ausgeübt wurde. Das heißt, dass der Arbeitgeber dazu angehalten ist, auch die Interessen seiner Mitarbeiter zu berücksichtigen. In diesem Fall begründete der Chef die Arbeitszeitreduzierung mit einem Rückgang der Aufträge. Er erklärte dabei jedoch nicht, inwieweit sich dieser auf seine weiteren 370 Mitarbeiter auswirkte. Aus Mangel an ersichtlichen Gründen entschieden die Richter also zugunsten des Klägers.

Besondere Form der Arbeitszeitverkürzung: Die Altersteilzeit

Bei der Altersteilzeit handelt es sich um eine besondere Form der Teilzeitarbeit im Alter. Durch die verkürzte Arbeitszeit soll ein gleitender Übergang vom Erwerbsleben in die Altersrente ermöglicht werden. Theoretisch dürfen Arbeitnehmer, die...

  • mindestens 55 Jahre alt sind und
  • vor der Altersteilzeit mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben

...Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Allerdings besteht kein gesetzlicher Rechtsanspruch darauf, wie "verdi" auf seiner Webseite informiert. Es gibt unterschiedliche Modelle, die die Altersteilzeit regeln:

  • Beim Blockmodell wird in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie vor der Regelung weitergearbeitet. In der zweiten Hälfte erfolgt dann die Freistellung von der Arbeit. Das Modell hat sich in der Praxis durchgesetzt.
  • Bei der sogenannten "gleichmäßigen Reduzierung", wird über den gesamten Zeitraum der Altersteilzeit die Arbeitszeit halbiert.

Die gesetzliche Grundlage für die Altersteilzeit bildet insbesondere das Altersteilzeitgesetz vom 23.07.1996. Seit 1984 wird die besondere Form der Arbeitszeitreduzierung vom Staat durch Lohnzuschüsse gefördert.

Der Fünf-Stunden-Tag: Ein Zukunftsmodell?

Es geht aber auch anders: Tauschen Sie den Acht-Stunden-Tag gegen einen Fünf-Stunden-Tag aus! Genau das hat der Unternehmer Stephan Aarstol gemacht. Seine einzige Bedingung: Seine Mitarbeiter müssen dieselbe Arbeit in weniger Zeit erledigen – dafür gibt es das gleiche Gehalt. Die Rechnung ging tatsächlich auf. Seine Firma "Tower Paddle Boards" in San Diego musste keinen Umsatz einbußen. Wie das funktioniert hat? Mithilfe motivierter Mitarbeiter und der Elimination unproduktiver Arbeitszeiten. Aarstol hat also die überflüssige Arbeitszeit in seinem Unternehmen ausgemacht und damit zugleich die wichtigsten Aufgaben bestimmt.

Vielleicht kommt das Modell auch für Ihr Unternehmen infrage? Immerhin fanden Forscher der Universität Melbourne heraus, dass eine 25  Stundenwoche für Erwerbstätige optimal ist.

Weiterführende Links:

  • Wenn Sie die Arbeitszeit verkürzen wollen: Wie Ihnen das Pareto-Prinzip dabei hilft, Ihre Zeit zu managen und so unter Umständen einen Fünf-Stunden-Tag zu ermöglichen.
  • Weitere Beispiele dafür, wie Sie die Arbeitszeit verkürzen können, hier im Überblick.
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Arbeitszeit verkürzen: Das ist rechtlich möglich Nehmen Sie den Arbeitsvertrag genauer unter die Lupe, um zu klären, ob Sie die Arbeitszeit verkürzen dürfen. (© 2016 igorstevanovic/Shutterstock)

Dürfen Arbeitnehmer Ihre Arbeitszeit verkürzen?

Ja, gemäß § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) dürfen Beschäftigte Ihre Arbeitszeit verkürzen, wenn...

  • Sie länger als sechs Monate in Ihrem Unternehmen beschäftigt sind und
  • in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer eingestellt sind – exklusive Auszubildende.

Der Arbeitnehmer muss die Verringerung der Arbeitszeit spätestens drei Monate vor Beginn der erwünschten Verkürzung von Ihnen verlangen. Sie können den Wunsch auch ablehnen, nämlich dann, wenn es aus betrieblichen Gründen notwendig ist. Die liegen vor, wenn beispielsweise die verkürzte Arbeitszeit den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Unternehmen wesentlich beeinträchtigt.

Stimmen Sie der Anfrage zu, muss ein neuer Arbeitsvertrag aufgesetzt werden. Der Arbeitnehmer erhält dann einen Teilzeitvertrag. Merke: Eine Umkehrung der Änderung, also eine erneute Vollzeitbeschäftigung, bedarf Ihrer Zustimmung.

Dürfen Arbeitgeber die Arbeitszeit verkürzen?

Die Anzahl der Arbeitsstunden ist im Arbeitsvertrag festgelegt. Sie dürfen den Vertrag nicht einseitig ändern. Anders der Fall, wenn eine flexible Arbeitsstundenzahl vereinbart wurde. Dann ist der Arbeitgeber berechtigt, die Arbeitszeit zu verkürzen – allerdings nicht unter jeden Umständen. So darf die bestehende Arbeitszeit nicht um mehr als 20 Prozent reduziert werden. Wenn ein Angestellter also 40 Stunden gearbeitet hat, dürfen Sie – sofern eine Änderungsklausel im Vertrag besteht – maximal auf 32 Stunden runtergehen.

Und auch dann ist nicht klar, ob Sie die Arbeitszeitverkürzung durchsetzen können wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt: Ein Kundenbetreuer klagte erfolgreich gegen die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Nach der Wiedereinstellung machte der Chef Gebrauch von der Änderungsklausel im individuell vereinbarten Arbeitsvertrag und reduzierte die Arbeitszeit des Angestellten von 40 auf 32 Stunden. Auch dagegen klagte der Arbeitnehmer und bekam abermals Recht.

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg urteilte (Az.: 21 Sa 903/14), dass das Direktionsrecht des Arbeitgebers in diesem Fall nicht Anwendung findet, da es nicht nach sogenanntem billigem Ermessen ausgeübt wurde. Das heißt, dass der Arbeitgeber dazu angehalten ist, auch die Interessen seiner Mitarbeiter zu berücksichtigen. In diesem Fall begründete der Chef die Arbeitszeitreduzierung mit einem Rückgang der Aufträge. Er erklärte dabei jedoch nicht, inwieweit sich dieser auf seine weiteren 370 Mitarbeiter auswirkte. Aus Mangel an ersichtlichen Gründen entschieden die Richter also zugunsten des Klägers.

Besondere Form der Arbeitszeitverkürzung: Die Altersteilzeit

Bei der Altersteilzeit handelt es sich um eine besondere Form der Teilzeitarbeit im Alter. Durch die verkürzte Arbeitszeit soll ein gleitender Übergang vom Erwerbsleben in die Altersrente ermöglicht werden. Theoretisch dürfen Arbeitnehmer, die...

  • mindestens 55 Jahre alt sind und
  • vor der Altersteilzeit mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben

...Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Allerdings besteht kein gesetzlicher Rechtsanspruch darauf, wie "verdi" auf seiner Webseite informiert. Es gibt unterschiedliche Modelle, die die Altersteilzeit regeln:

  • Beim Blockmodell wird in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie vor der Regelung weitergearbeitet. In der zweiten Hälfte erfolgt dann die Freistellung von der Arbeit. Das Modell hat sich in der Praxis durchgesetzt.
  • Bei der sogenannten "gleichmäßigen Reduzierung", wird über den gesamten Zeitraum der Altersteilzeit die Arbeitszeit halbiert.

Die gesetzliche Grundlage für die Altersteilzeit bildet insbesondere das Altersteilzeitgesetz vom 23.07.1996. Seit 1984 wird die besondere Form der Arbeitszeitreduzierung vom Staat durch Lohnzuschüsse gefördert.

Der Fünf-Stunden-Tag: Ein Zukunftsmodell?

Es geht aber auch anders: Tauschen Sie den Acht-Stunden-Tag gegen einen Fünf-Stunden-Tag aus! Genau das hat der Unternehmer Stephan Aarstol gemacht. Seine einzige Bedingung: Seine Mitarbeiter müssen dieselbe Arbeit in weniger Zeit erledigen – dafür gibt es das gleiche Gehalt. Die Rechnung ging tatsächlich auf. Seine Firma "Tower Paddle Boards" in San Diego musste keinen Umsatz einbußen. Wie das funktioniert hat? Mithilfe motivierter Mitarbeiter und der Elimination unproduktiver Arbeitszeiten. Aarstol hat also die überflüssige Arbeitszeit in seinem Unternehmen ausgemacht und damit zugleich die wichtigsten Aufgaben bestimmt.

Vielleicht kommt das Modell auch für Ihr Unternehmen infrage? Immerhin fanden Forscher der Universität Melbourne heraus, dass eine 25  Stundenwoche für Erwerbstätige optimal ist.

Weiterführende Links:

  • Wenn Sie die Arbeitszeit verkürzen wollen: Wie Ihnen das Pareto-Prinzip dabei hilft, Ihre Zeit zu managen und so unter Umständen einen Fünf-Stunden-Tag zu ermöglichen.
  • Weitere Beispiele dafür, wie Sie die Arbeitszeit verkürzen können, hier im Überblick.
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