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Crowdworker: Recruiting-Modell der Zukunft?

Crowdworker – so nennen sich die Arbeitskräfte, die per Internet nach Mini-Aufträgen von Firmen suchen. Die vernetzten Arbeitsnomaden erledigen den Job von zu Hause oder jedwedem Platz mit Internetanschluss. Klingt unkompliziert und praktisch, doch das Recruiting-Modell hat auch seine Schattenseiten.
Crowdworker: Recruiting-Modell der Zukunft? Ganz entspannt von Zuhause arbeiten – für Crowdworker die Normalität. (© 2016 zeljkodan/Shutterstock)

Was sind Crowdworker?

Sie benötigen eine Arbeitskraft, die einfache Produktbeschreibungen verfasst, einen kreativen Kopf, der Ihnen ein neues Firmenlogo designt oder einen Tester für Ihre Software – für derartige limitierte (Mini-)Aufträge einen festen Mitarbeiter einzustellen, lohnt sich oftmals nicht. Müssen Sie auch nicht. Denn Sie können die Aufgaben an sogenannte Crowdworker vergeben. Diese tummeln sich auf Onlineportalen wie Freelancer.com und bieten darüber ihre Arbeitskraft an. Umgekehrt veröffentlichen Firmen dort Ihre Projekte online, auf die sich dann Freelancer bewerben.

Woher kommt der Begriff? Das englische Wort "crowd" bedeutet Masse, denn Unternehmen vergeben ihre Kleinstaufträge über Plattformen an die Masse der digital agierenden Wanderarbeiter. In diesem Zusammenhang spricht man übrigens auch von "Crowdsourcing", angelehnt an das Wort "Outsourcing", was "Auslagerung" heißt.

Vorteile von Crowdsourcing

Nur ein paar Klicks und der Auftrag ist vergeben. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unternehmen finden über Plattformen wie Freelancer.com oder Elance-oDesk ganz einfach Unterstützung für ihre Projekte. Denn Stellenausschreibungen, Vorstellungsgespräche und mögliche Unkosten, die aufgrund einer falschen Personalentscheidung für eine Festanstellung entstehen, entfallen. Die unkomplizierte Distribution von Mini-Aufträgen ist insbesondere für Unternehmer attraktiv, die noch in der Gründungsphase stecken und jeden Cent zweimal umdrehen.

Darüber hinaus ist das Angebot an Freelancern immens, denn Ländergrenzen spielen keine Rolle mehr. Allein bei Freelancer.com sind 13 Millionen Crowdworker aus der ganzen Welt angemeldet, wie die "Zeit" berichtet.

Nicht nur Auftraggeber, auch viele Crowdworker wissen den globalen Minijob-Markt zu schätzen. Das Konzept ermöglicht insbesondere jenen, die schon länger arbeitslos sind, einen leichten Einstieg. Denn Aufträge gibt es zuhauf – sowohl für den ungelernten Helfer als auch für die gut ausgebildete Fachkraft.

Außerdem ermöglicht das Konzept mehr Flexibilität. Man nimmt nur so viele Aufträge an, wie man will und im besten Fall, welche einem gefallen. Zu Zeiten, in denen immer mehr Arbeitskräfte auf eine ausgewogene Work-Life-Balance Wert legen und nicht Stunden im Büro absitzen wollen, ist dies für Viele ein guter Grund für das Arbeitsmodell.

Nachteile von Crowdsourcing

Alles zu gut, um wahr zu sein? Vielleicht. Gewerkschaftler von ver.di fürchten jedenfalls um Arbeitsplätze, heißt es in der "Zeit". Denn wenn immer mehr Arbeitgeber Aufträge an Externe verteilen, haben jene, die auf eine Festanstellung hinaus sind, zunehmend weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zu groß ist die Konkurrenz der billigen Arbeitskräfte aus dem Internet. Hinzukommen die oftmals fehlenden Arbeitnehmerschutzrechte beim Crowdsourcing, wie Nadine Müller von ver.di gegenüber der "Zeit" erklärt:

"Es gibt oft keinen Kündigungsschutz, keinen Urlaubsanspruch, keine innerbetrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Im Krankheitsfall und im Alter sind die Cloudworker schlecht abgesichert."

Gewerkschaftler sehen also eine Art moderne Sklaverei im Crowdsourcing und setzen sich für regulierende Gesetze ein. Doch nicht jeder Crowdworker zeigt sich unzufrieden mit seiner Situation. Es stimmt zwar, dass Unternehmen den günstigeren indischen Programmierer gegenüber dem teureren amerikanischen vorziehen können. Doch letztlich wird auch die Qualität des erledigten Auftrages über weitere Aufträge entscheiden. Wie sich der digitale Minijob-Markt genau entwickelt, bleibt abzuwarten.

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Crowdworker: Recruiting-Modell der Zukunft? Ganz entspannt von Zuhause arbeiten – für Crowdworker die Normalität. (© 2016 zeljkodan/Shutterstock)

Was sind Crowdworker?

Sie benötigen eine Arbeitskraft, die einfache Produktbeschreibungen verfasst, einen kreativen Kopf, der Ihnen ein neues Firmenlogo designt oder einen Tester für Ihre Software – für derartige limitierte (Mini-)Aufträge einen festen Mitarbeiter einzustellen, lohnt sich oftmals nicht. Müssen Sie auch nicht. Denn Sie können die Aufgaben an sogenannte Crowdworker vergeben. Diese tummeln sich auf Onlineportalen wie Freelancer.com und bieten darüber ihre Arbeitskraft an. Umgekehrt veröffentlichen Firmen dort Ihre Projekte online, auf die sich dann Freelancer bewerben.

Woher kommt der Begriff? Das englische Wort "crowd" bedeutet Masse, denn Unternehmen vergeben ihre Kleinstaufträge über Plattformen an die Masse der digital agierenden Wanderarbeiter. In diesem Zusammenhang spricht man übrigens auch von "Crowdsourcing", angelehnt an das Wort "Outsourcing", was "Auslagerung" heißt.

Vorteile von Crowdsourcing

Nur ein paar Klicks und der Auftrag ist vergeben. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unternehmen finden über Plattformen wie Freelancer.com oder Elance-oDesk ganz einfach Unterstützung für ihre Projekte. Denn Stellenausschreibungen, Vorstellungsgespräche und mögliche Unkosten, die aufgrund einer falschen Personalentscheidung für eine Festanstellung entstehen, entfallen. Die unkomplizierte Distribution von Mini-Aufträgen ist insbesondere für Unternehmer attraktiv, die noch in der Gründungsphase stecken und jeden Cent zweimal umdrehen.

Darüber hinaus ist das Angebot an Freelancern immens, denn Ländergrenzen spielen keine Rolle mehr. Allein bei Freelancer.com sind 13 Millionen Crowdworker aus der ganzen Welt angemeldet, wie die "Zeit" berichtet.

Nicht nur Auftraggeber, auch viele Crowdworker wissen den globalen Minijob-Markt zu schätzen. Das Konzept ermöglicht insbesondere jenen, die schon länger arbeitslos sind, einen leichten Einstieg. Denn Aufträge gibt es zuhauf – sowohl für den ungelernten Helfer als auch für die gut ausgebildete Fachkraft.

Außerdem ermöglicht das Konzept mehr Flexibilität. Man nimmt nur so viele Aufträge an, wie man will und im besten Fall, welche einem gefallen. Zu Zeiten, in denen immer mehr Arbeitskräfte auf eine ausgewogene Work-Life-Balance Wert legen und nicht Stunden im Büro absitzen wollen, ist dies für Viele ein guter Grund für das Arbeitsmodell.

Nachteile von Crowdsourcing

Alles zu gut, um wahr zu sein? Vielleicht. Gewerkschaftler von ver.di fürchten jedenfalls um Arbeitsplätze, heißt es in der "Zeit". Denn wenn immer mehr Arbeitgeber Aufträge an Externe verteilen, haben jene, die auf eine Festanstellung hinaus sind, zunehmend weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zu groß ist die Konkurrenz der billigen Arbeitskräfte aus dem Internet. Hinzukommen die oftmals fehlenden Arbeitnehmerschutzrechte beim Crowdsourcing, wie Nadine Müller von ver.di gegenüber der "Zeit" erklärt:

"Es gibt oft keinen Kündigungsschutz, keinen Urlaubsanspruch, keine innerbetrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Im Krankheitsfall und im Alter sind die Cloudworker schlecht abgesichert."

Gewerkschaftler sehen also eine Art moderne Sklaverei im Crowdsourcing und setzen sich für regulierende Gesetze ein. Doch nicht jeder Crowdworker zeigt sich unzufrieden mit seiner Situation. Es stimmt zwar, dass Unternehmen den günstigeren indischen Programmierer gegenüber dem teureren amerikanischen vorziehen können. Doch letztlich wird auch die Qualität des erledigten Auftrages über weitere Aufträge entscheiden. Wie sich der digitale Minijob-Markt genau entwickelt, bleibt abzuwarten.

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