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Topsharing: Führung nach Tandem-Manier

Eine Führungsposition, zwei Chefs – so funktioniert das Modell Topsharing. Dabei teilen sich zwei Führungskräfte eine Stelle und arbeiten in Teilzeit. Was in der Praxis noch nicht sehr verbreitet ist und vielfach skeptisch gesehen wird, bietet zahlreiche Vorteile.
Topsharing: Führung nach Tandem-Manier Führungskräfte in Teilzeit: Topsharing als Erfolgsmodell. (© 2016 Potstock/Shutterstock)

So funktioniert Topsharing

Ähnlich wie beim Jobsharing teilen sich dabei zwei Menschen eine Stelle. Allerdings geht es hier explizit um Führungskräfte, die gemeinsam eine Position besetzen. Auch wenn bislang laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) nur 8,2 Prozent der Führungskräfte in Teilzeit arbeiten, hat dieses Modell Potenzial: Es bietet eine größere Flexibilität und macht es möglich, Führungspositionen auch bei veränderten Lebensumständen zu halten. Morgens sitzt man dem einen Chef beim Meeting gegenüber, nachmittags bespricht man mit dem anderen ein Projekt – für einige Mitarbeiter ist das zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch das konsequente Teilen einer Stelle bedeutet genau das und hat auch Vorteile für den Rest der Firma.

Vorteile: Vier Augen sehen mehr als zwei

Einen großen Vorteil bietet das Topsharing, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden sollen oder ein Konzept geprüft werden muss. Denn vier Augen sehen mehr als zwei und die beiden Führungskräfte können sich in wichtigen Fragen immer beraten. Auch für Kollegen ist das angenehm: Einen Rat vom Chef können sie sich bei gleich zwei verschiedenen Personen einholen und das Thema so noch umfassender betrachten. Und für die Führungskräfte selbst verbessert sich die Work-Life-Balance und damit die Motivation. Das ist besonders für Mütter und Väter wichtig, die nach der Elternzeit ihre Position im Unternehmen nicht aufgeben wollen. Für die Firma wiederum gehen hochqualifizierte Kräfte nicht verloren, sondern verbleiben mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how im Unternehmen. Auch für die Altersteilzeit ist Topsharing ein praktikables Modell und kann zum Beispiel genutzt werden, um einen Nachfolger über einen längeren Zeitraum hinweg einzuarbeiten.

Nachteile: Weniger Präsenz im Alltag

Natürlich bedeutet ein solches Modell aber auch, dass je nach Zeiteinteilung die Chefs seltener ansprechbar sind. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass am Freitagnachmittag grundsätzlich keiner der beiden Stelleninhaber im Haus ist. Die Teamarbeit wird unter Umständen erschwert und Kunden oder Kooperationspartner könnten durch die wechselnden Ansprechpartner verwirrt sein. Topsharing bringt auch einen erhöhten Organisationsaufwand mit sich, weil die beiden Führungskräfte sich untereinander abstimmen und auf dem Laufenden halten müssen. Diese Herausforderungen sollten Unternehmen erkennen und von Anfang an gezielt darauf eingehen.

Topsharing: So gelingt die Doppelbesetzung

Wenn Sie einige Dinge beachten, können Sie die Vorteile, die das Topsharing bietet, auch in Ihrem Unternehmen genießen und dabei die Nachteile nach Möglichkeit umgehen.

  • Persönlichkeiten beachten: Nur weil beide fähige Führungskräfte sind, muss das nicht bedeuten, dass sie auch als Doppelspitze funktionieren. Zwei Chefs, die wie Feuer und Wasser sind, tun sich vermutlich schwer damit, sich eine Stelle zu teilen. Unterschiedliche Charaktere können sich natürlich auch ergänzen, allerdings sollte ein gemeinsames Grundverständnis bestehen.
  • Eventualitäten bedenken: Vor Beginn des Topsharings sollte geklärt werden, was in bestimmten möglichen Situationen gilt. Was geschieht bei einem unlösbaren Konflikt zwischen den beiden Chefs? Und wie kann ein längerer Ausfall des einen abgefangen werden?
  • Planung ist das A und O: Legen Sie genau fest, wie das Topsharing organisiert sein soll: Haben die beiden Chefs Aufgabenschwerpunkte oder teilen sie sich die Arbeit nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"? Vorsicht: Nur wenn die Aufgabenbereiche nicht zu sehr auseinandergehen, können die beiden sich im Ernstfall gegenseitig vertreten.
  • Informationsaustausch gewährleisten: Gerade wenn Führungskräfte sich einen Job teilen, sind gute Kommunikation und ständiger Informationsaustausch wichtig. Denn schon ein fehlendes Detail kann bei einer Entscheidung weitreichende Folgen haben. Nach jedem Arbeitstag sollten die beiden Chefs sich also über alle relevanten Entwicklungen austauschen. Ein gemeinsamer Posteingang kann dafür sorgen, dass keine wichtigen Nachrichten durch die Lappen gehen oder bei Abwesenheit lange unbeantwortet bleiben.
  • Für Zeitüberschneidungen sorgen: Auch wenn E-Mails und Telefonate sehr hilfreich sind, so ersetzen sie doch nicht ein persönliches Gespräch oder die gemeinsame Teilnahme an einem wichtigen Meeting. Zu bestimmten Zeiten sollten die beiden Führungskräfte sich im Unternehmen begegnen.

Weiterführende Links:

  • Auch unterhalb der Führungsebene kann man sich einen Job teilen – beim Jobsharing.
  • Wenn Sie einen geeigneten Nachfolger gefunden haben, können Sie ihn mit Topsharing einarbeiten.
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Eine Führungsposition, zwei Chefs – so funktioniert das Modell Topsharing. Dabei teilen sich zwei Führungskräfte eine Stelle und arbeiten in Teilzeit. Was in der Praxis noch nicht sehr verbreitet ist und vielfach skeptisch gesehen wird, bietet zahlreiche Vorteile.
Topsharing: Führung nach Tandem-Manier Führungskräfte in Teilzeit: Topsharing als Erfolgsmodell. (© 2016 Potstock/Shutterstock)

So funktioniert Topsharing

Ähnlich wie beim Jobsharing teilen sich dabei zwei Menschen eine Stelle. Allerdings geht es hier explizit um Führungskräfte, die gemeinsam eine Position besetzen. Auch wenn bislang laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) nur 8,2 Prozent der Führungskräfte in Teilzeit arbeiten, hat dieses Modell Potenzial: Es bietet eine größere Flexibilität und macht es möglich, Führungspositionen auch bei veränderten Lebensumständen zu halten. Morgens sitzt man dem einen Chef beim Meeting gegenüber, nachmittags bespricht man mit dem anderen ein Projekt – für einige Mitarbeiter ist das zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch das konsequente Teilen einer Stelle bedeutet genau das und hat auch Vorteile für den Rest der Firma.

Vorteile: Vier Augen sehen mehr als zwei

Einen großen Vorteil bietet das Topsharing, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden sollen oder ein Konzept geprüft werden muss. Denn vier Augen sehen mehr als zwei und die beiden Führungskräfte können sich in wichtigen Fragen immer beraten. Auch für Kollegen ist das angenehm: Einen Rat vom Chef können sie sich bei gleich zwei verschiedenen Personen einholen und das Thema so noch umfassender betrachten. Und für die Führungskräfte selbst verbessert sich die Work-Life-Balance und damit die Motivation. Das ist besonders für Mütter und Väter wichtig, die nach der Elternzeit ihre Position im Unternehmen nicht aufgeben wollen. Für die Firma wiederum gehen hochqualifizierte Kräfte nicht verloren, sondern verbleiben mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how im Unternehmen. Auch für die Altersteilzeit ist Topsharing ein praktikables Modell und kann zum Beispiel genutzt werden, um einen Nachfolger über einen längeren Zeitraum hinweg einzuarbeiten.

Nachteile: Weniger Präsenz im Alltag

Natürlich bedeutet ein solches Modell aber auch, dass je nach Zeiteinteilung die Chefs seltener ansprechbar sind. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass am Freitagnachmittag grundsätzlich keiner der beiden Stelleninhaber im Haus ist. Die Teamarbeit wird unter Umständen erschwert und Kunden oder Kooperationspartner könnten durch die wechselnden Ansprechpartner verwirrt sein. Topsharing bringt auch einen erhöhten Organisationsaufwand mit sich, weil die beiden Führungskräfte sich untereinander abstimmen und auf dem Laufenden halten müssen. Diese Herausforderungen sollten Unternehmen erkennen und von Anfang an gezielt darauf eingehen.

Topsharing: So gelingt die Doppelbesetzung

Wenn Sie einige Dinge beachten, können Sie die Vorteile, die das Topsharing bietet, auch in Ihrem Unternehmen genießen und dabei die Nachteile nach Möglichkeit umgehen.

  • Persönlichkeiten beachten: Nur weil beide fähige Führungskräfte sind, muss das nicht bedeuten, dass sie auch als Doppelspitze funktionieren. Zwei Chefs, die wie Feuer und Wasser sind, tun sich vermutlich schwer damit, sich eine Stelle zu teilen. Unterschiedliche Charaktere können sich natürlich auch ergänzen, allerdings sollte ein gemeinsames Grundverständnis bestehen.
  • Eventualitäten bedenken: Vor Beginn des Topsharings sollte geklärt werden, was in bestimmten möglichen Situationen gilt. Was geschieht bei einem unlösbaren Konflikt zwischen den beiden Chefs? Und wie kann ein längerer Ausfall des einen abgefangen werden?
  • Planung ist das A und O: Legen Sie genau fest, wie das Topsharing organisiert sein soll: Haben die beiden Chefs Aufgabenschwerpunkte oder teilen sie sich die Arbeit nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"? Vorsicht: Nur wenn die Aufgabenbereiche nicht zu sehr auseinandergehen, können die beiden sich im Ernstfall gegenseitig vertreten.
  • Informationsaustausch gewährleisten: Gerade wenn Führungskräfte sich einen Job teilen, sind gute Kommunikation und ständiger Informationsaustausch wichtig. Denn schon ein fehlendes Detail kann bei einer Entscheidung weitreichende Folgen haben. Nach jedem Arbeitstag sollten die beiden Chefs sich also über alle relevanten Entwicklungen austauschen. Ein gemeinsamer Posteingang kann dafür sorgen, dass keine wichtigen Nachrichten durch die Lappen gehen oder bei Abwesenheit lange unbeantwortet bleiben.
  • Für Zeitüberschneidungen sorgen: Auch wenn E-Mails und Telefonate sehr hilfreich sind, so ersetzen sie doch nicht ein persönliches Gespräch oder die gemeinsame Teilnahme an einem wichtigen Meeting. Zu bestimmten Zeiten sollten die beiden Führungskräfte sich im Unternehmen begegnen.

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  • Auch unterhalb der Führungsebene kann man sich einen Job teilen – beim Jobsharing.
  • Wenn Sie einen geeigneten Nachfolger gefunden haben, können Sie ihn mit Topsharing einarbeiten.
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