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Yoga für Führungskräfte: Geheimwaffe der Leadership-Tools

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, RWE-Boss Peter Terium und BMW-Aufsichtsrats-Chef Norbert Reithofer: Alle drei Spitzenmanager und Führungspersönlichkeiten setzen auf die Kräfte von Meditation oder Yoga, der ursprünglich indischen philosophischen Lehre. RWE-Chef Terium spricht sogar im eigenen Firmen-Blog darüber. Nur wenige wissen: Yoga lehrt ungeahnte Führungs-Dimensionen.
Yoga stärkt die Leistungsfähigkeit von Führungskräften. Yoga stärkt die Leistungsfähigkeit und ist ein top Leadership-Tool für Führungskräfte. (© 2015 Cervo / Shutterstock)

ROI-getriebene Budget-Allokation, Kosten-Nutzen-Rechnungs-Dogmen, marktforschungshörige KPI-Steuerung – das Instrumentarium zahlenbasierter Unternehmensführung ist schier endlos. Viele Manager leiden unter solchem Geschirr der Projektsteuerung, Geschäfts- oder Unternehmensführung. Und immer mehr sehnen sich wieder nach (ihrem) intuitiven, unternehmerischen Führungs-Vermögen. Gerade in Zeiten der Transformation (nicht nur der digitalen) entscheidet wieder eine unschätzbare Manager-Qualität über Performance und Wettbewerbsposition eines Unternehmens: Leadership.

„Wer andere führen will, muss sich selber erst mal führen.“

Pater Anselm Grün, Benediktiner-Mönch, Autor und gesuchter Berater zahlreicher Unternehmen, konstatiert: „Wer andere führen will, muss sich selber erst mal führen.“ Hidden Champion, ja Geheimwaffe, unter den Führungsprinzipien, die beides ermöglichen, ist: Yoga. Das Stigma des esoterischen Luxus’ hat Yoga längst abgestreift. Die zahlreichen verschiedenen Yoga-Ausprägungen legen unterschiedliches Gewicht auf Geistiges oder Körperliches, das Spektrum reicht vom ‚restaurativen Yoga’ bis hin zum ‚Power Yoga’. Konstituierende Elemente sind:

Atemübungen
Körperübungen
Meditationsübungen

Yoga – eine 2500 Jahre alte Lehre der Kraft

Erstmals erwähnt wird der Begriff Yoga in 2500 Jahre alten Sanskrit-Schriften. 195 Verse (Yogasutra) tradieren die DNA, die Essenzen hochkonzentriert. Ursprünglich war die Lehre ein spiritueller Weg zur Erleuchtung, vor allem durch Meditation – unterstützt durch Atemtechniken und Körperhaltungen. Heute belegen jüngste Studien bzw. Kernspin-Aufnahmen, dass tägliche, 30 minütige Yoga-Meditation bereits nach acht Wochen in bestimmten Hirnregionen (zuständig für Gedächtnis, Lernen und Emotionskontrolle) die Zahl der grauen Zellen deutlich zugenommen hat.

Gehirn durch Meditation umtrainieren

Britta Hölzel, Neurowissenschaftlerin und Autorin der Studie, resümiert, dass gestresste Menschen offenbar ihr „Gehirn durch Meditation umtrainieren“ können. Die Wirkung auf die Physis scheint inzwischen unumstritten: Die University von Washington (Seattle) untersuchte Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Eine Gruppe therapierte sich mit Selbsthilfe-Literatur, eine zweite erhielt professionelle Krankengymnastik, die dritte praktizierte Yoga. Die Yoga-Probanden zeigten die größten Erfolge bzgl. Schmerzlinderung und Funktionsverbesserungen.

5 Millionen Deutsche praktizieren heute Yoga, lernen bei 20.000 Yoga-Lehrern. Berater, die ihre Expertise um die Dimension Yoga erweitern, erleben einen Hype. mittelstand DIE MACHER sprach mit Dr. Michael Schwalbach, Ökonom (Columbia University New York) und Unternehmensberater (u. a. Capgemini). Der Chef von IFE Advisory ist selbst Yoga-Lehrer.

Unternehmensberater Dr. Michael Schwalbach: "Yoga ist die Königsklasse im Bereich der Leadership-Tools."
Unternehmensberater Dr. Michael Schwalbach: "Yoga ist die Königsklasse im Bereich der Leadership-Tools." (© 2015 M. Schwalbach)

Unternehmen investieren viel Mühe, Zeit und Geld, um Führungspersönlichkeiten und Führungsmentalitäten weiterzuentwickeln – und schicken High Potentials oft wieder in Seminare ehrwürdiger Universitäten. Welches Potenzial steckt demgegenüber in Yoga für (Modern) Leadership in der Wirtschaft?

Dr. Michael Schwalbach: „Viele Trainings und Seminare sind sicher sinnvoll, vermitteln wertvolles Handwerkszeug und Wissen. Die Entwicklung von Persönlichkeit, die Veränderung von innerer Haltung und Verhalten ist jedoch eine schwierige Aufgabe, die Zeit und eine intensive und selbstakzeptierende Auseinandersetzung mit sich selbst erfordert. Gute Führungskräfte vertrauen nicht ausschließlich auf das Rationale und Analytische. Sie nutzen Werkzeuge um zu verstehen, wie sie selbst ticken und wahrnehmen. Auf dieser Basis entwickeln und verankern sie neues, hilfreiches Führungsverhalten. Auch und besonders dann, wenn der Druck groß ist und viel auf dem Spiel steht.
Ich sage meinen Kunden häufig: Der Schlüssel für gute Führung ist nicht Ihre Handlungs–Toolbox. Der Schlüssel sind Sie selbst. Hier hat der Yoga eine Menge zu bieten, denn er ist ein Übungsweg zur Selbsterkenntnis und- wahrnehmung mentaler Kontrolle sowie Erforschung und Entwicklung des eigenen Bewusstseins. Bessere Selbstführung ist die Basis besserer Führung, d.h. der Gestaltung gelingender Führungsbeziehungen. ‚Führung ist wie eine Reise der beruflichen und persönlichen Entwicklung’, sagt Bernard Fontana, CEO von Holcim, dem weltgrößten Baustoffproduzenten. So gesehen kann Yoga ein sehr hilfreicher Reisebegleiter sein.
Sie müssen übrigens nicht unbedingt auf der Matte, sitzen, um Yoga zu praktizieren. Yoga sollte in den Berufsalltag integriert sein, mit gezielten, kurzen Übungen am Arbeitsplatz.“
Immer mehr Unternehmenslenker und Führungskräfte setzen mehr und mehr auf Yoga – was fehlt Unternehmen ohne Yoga?
„Yoga ist kein Wundermittel, aber es ist sicher kein Zufall, dass diese Methode gerade in unserer heutigen Zeit auf immer stärkere Resonanz trifft. Ich denke das hat vor allem zwei Gründe. Da ist zum ersten das gestiegene Bedürfnis der Führungskräfte nach besserer Selbstführung, nach Work-Life-Blending, Regeneration und Reflexion. Die Erfahrung mit Yoga bringt uns wieder in Verbindung mit uns selbst, unserem Rhythmus, unserer Energie und unseren Werten. Ein Vorteil von Yoga ist der ganzheitliche Blick auf den Menschen, dieses faszinierende ‚Körper-Geist-Netzwerk’ mit seinen vielfältigen Wechselwirkungen.
Yoga ist Mentaltraining, weil systematisch die Gelassenheit sowie die Stärkung und Steuerung der Konzentration geübt werden, aber es hat immer auch den Körper im Blick. Jeder von uns weiss ja aus eigener Erfahrung, dass wir ohne körperliche Regeneration auch mental keine Höchstleistungen vollbringen können. Kurzum: Yoga ist eine all-in-one-Methode zur Führungskräfteentwicklung, die mentale Techniken wie Meditation beinhaltet, und gleichzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit steigern hilft.
Zum zweiten ist in Führungskreisen ein gewisses Unbehagen erkennbar, was die Wirksamkeit vieler aktueller Maßnahmen der Führungskräfteentwicklung betrifft. Wie die Harvard-Professorin Barbara Kellerman feststellt, ist zwar in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte ‚Leadership-Industrie’ entstanden. Die Führungsergebnisse sind indes ziemlich ernüchternd, wenn wir zum Beispiel auf die Entwicklung von Vertrauen, Engagement und Resilienz in Unternehmen schauen. Mehr vom Gleichen braucht es offenbar nicht. Dies gilt umso mehr, als wir gerade einen Wechsel im Führungsverständnis erleben. Viele Führungskräfte erwarten von Unternehmen zukünftig deutlich höhere Anforderungen an die Fähigkeiten zur Sinnstiftung, Selbstorganisation, Agilität, und Kooperation.
Führungsstärke in einem solchen Umfeld bedeutet, Beziehungen so zu gestalten, dass die Entwicklung, Inspiration und Vernetzung hochqualifizierter Mitarbeiter gewährleistet wird. Dies wiederum setzt eine effektive Selbststeuerung voraus. Ein Beispiel: Zuhören ist eine zentrale Kompetenz, um vertrauensvolle Führungsbeziehungen aufzubauen. Ich kann aber nicht aufmerksam und empathisch zuhören, wenn ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin, d.h. mit meinen Emotionen oder damit, im Gespräch unbedingt einen Standpunkt durchbringen zu wollen.

Eine gute Führungskraft verfügt über Techniken, um mit Emotionen konstruktiv umzugehen und das Ego genau dann im Griff zu haben, wenn es darauf ankommt. Mittlerweile ist die positive Wirkungskraft von Yoga in vielen Bereichen wissenschaftlich erwiesen. Und immer mehr spannende Erkenntnisse werden zutage gefördert, wie und warum Yoga auf unseren Körper und unser Gehirn wirkt. Ich gehe nun schon einige Jahre der Frage nach, was diese Erkenntnisse für Unternehmensführung bedeuten. Für mich ist faszinierend zu erkennen, wie gut die uralte Weisheitslehre Yoga zur Entwicklung von Kompetenzen geeignet ist, die für Führung im 21. Jahrhundert benötigt werden. Hierzu einige Beispiele.

Mehr Gelassenheit und Stressresistenz wünschen sich viele Führungskräfte. In brenzligen Situationen die Ruhe zu bewahren ist ein Zeichen von Stärke. Gelassenheit ist das übergeordnete Ziel des Yoga, das durch das systematische Üben der achtsamen (d.h. konzentrierten, möglichst beurteilungsfreien) Wahrnehmung von Atmung, Körper und Emotionen gefördert wird. Mit Yoga kann auch ein physiologischer Ruhezustand herbeigeführt werden. Schon einfache Übungen verringern Herzschlag, Atmungsfrequenz, Sauerstoffverbrauch und Blutdruck. Regelmäßige Praxis senkt die Ruheenergie um mehr als 10 %.

Mutig, also trotz Angst, zu entscheiden und zu handeln ist eine unternehmerische Kardinaltugend. Mut ist auch gefragt in einer Unternehmensrealität, die häufig anzutreffen ist: Viele Führungskräfte funktionieren ‚gefangen’ in einem Zwiespalt: Sie streben nach einem integeren, authentischen Verhalten, geprägt von Respekt, Vertrauen, Fairness und Kooperation. Im beruflichen Tagesgeschäft sehen sie jedoch oft Sachzwängen ausgesetzt, hinter denen sich Egoismus und Rücksichtslosigkeit verbergen. Yoga wirkt als „Mutwerkstatt“, denn Yogaübende lernen eine adäquate Bewältigungsstrategie bei Angst. Sie stellen sich ihren mentalen Blockaden und machen schrittweise positive Erfahrungen. Auf diese Weise wächst das Selbstvertrauen, eine unerlässliche Ressource für mutiges agieren.

Mit Yoga wird die Empathie trainiert. Yoga ist eine systematische Wahrnehmungsschulung, auch und vor allem von uns selbst. Und je besser wir in Selbstwahrnehmung geübt sind, desto eher sind wir in der Lage uns in den anderen hineinzufühlen, weil wir in beiden Fällen dieselben Gehirnregionen aktivieren.
Yoga fördert außerdem erwiesenermaßen die Konzentration, die Kreativität, Willenskraft, die professionelle Nutzung der Intuition, und zahlreiche weitere Kompetenzen. Marc Benioff, Selfmade-Milliardär und Gründer von salesforce.com, einem Pionierunternehmen des Cloud Computing, hat einmal gesagt: „Yoga ist ein Leadership-Tool“. Um von den Vorteilen des Yoga zu profitieren ist allerdings ausdauerndes Üben wichtig.“

Yoga als Technik für Unternehmens-Entwicklung?

„Aus meiner Sicht definitiv Ja. Wie oben skizziert können Führungskräfte mit Yoga wichtige Kompetenzen entwickeln, die für gute Führung wesentlich sind.
Im Zusammenhang mit Unternehmensentwicklung möchte ich auch kurz darauf hinweisen, dass die Weisheitslehre Yoga über einen Kanon von ethischen Prinzipien wie etwa Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und Selbstdisziplin verfügt, der sich sehr gut eignet, die persönliche und Unternehmensentwicklung zu reflektieren.“
Lässt sich das Wertschöpfungs-Potenzial von Yoga für Unternehmen beziffern bzw. dimensionieren?
„Kürzlich hatte ich eine lange Diskussion mit Prof. Gerhard Roth, dem renommierten Entwicklungsbiologen und Hirnwissenschaftler. Aus dem Gespräch habe ich eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: Ein Großteil der Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung trivialisiert das Thema Veränderung der Haltung und Persönlichkeit. Die Interventionen sind zu kurz und / oder gehen nicht tief genug. Insofern stellt sich für mich, etwas provokativ zwar, aber mit durchaus ernstem Hintergrund, die Frage, wie lange es ohne Yoga in der heutigen Zeit überhaupt noch gehen kann.“

mittelstand DIE MACHER sprach auch mit der Unternehmensberaterin Janina Bäder. Die Beraterin (u.a. Arther D. Little) ist Systemischer Coach, Segel-Lehrerin (Skipper) und Yoga-Lehrerin.

Unternehmensberaterin Janina Bäder coacht Führungskräfte auch mithilfe von Kundalini-Yoga.
Unternehmensberaterin Janina Bäder coacht Führungskräfte auch mithilfe von Kundalini-Yoga. (© 2015 J. Bäder)

 

Ein Part Ihres Coachings von Führungskräften sind Übungen aus dem Yoga. Warum?

Janina Bäder: "Viele Klienten kommen mit beruflichen Anliegen – doch wenn man den Problemen auf den Grund geht, haben letztlich alle einen persönlichen Ursprung oder Hintergrund. Die Probleme resultieren aus eingeschliffenen Verhaltensmustern oder ungewollten Einstellungen. Um sie zu justieren, braucht man einen Zugang zu sich selbst – und genau den haben viele über die Jahre verloren. Yoga kann helfen, diesen Zugang zu sich, seiner inneren Stimme, seinem Herzen, kurz: zu seinem innewohnenden intuitiven Potenzial wieder zu erlangen.

Viele sind - vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein - in einem ständigen inneren Konflikt, noch dazu einem, der unglaublich viel Energie verschwendet: Der Verstand zielt auf bestimmte Dinge, die jedoch der Körper nicht will und der Körper verlangt vielleicht nach Dingen, die der Verstand nicht zulässt. Der Kopf gibt eine Richtung vor, der der Körper nicht folgen will und der Körper sendet Impulse, die der Verstand nicht versteht. Hier vermag Yoga zu übersetzen, baut Brücken und sprengt innere Barrikaden.

In den Sitzungen gehen wir lösungsorientiert vor - jeder trägt alle Ressourcen zur Problemlösung selbst in sich. Ich führe nur beim eigenen Aufspüren des Zugangs zu sich selbst. Damit die Klienten dafür offen sind, hilft es, wenn sie ruhig werden (nur in einem stillen Gewässer kann man bis auf den Grund schauen) und sich nur auf sich besinnen und das ewig ratternde Denk-Uhrwerk mal vorübergehend abschalten. Hier setzt Yoga an.

Beim Kundalini Yoga z. B. starten wir mit Körperübungen, um u. a. Zugang zum Körper zu gewinnen, sich zu spüren und für die folgende Meditation vorzubereiten. Dass die Übungen dabei auch auf bestimmte Meridiane, Chakren, etc. wirken, ist vielen zu esoterisch und Klienten glauben zunächst nicht daran, spüren aber die Wirkung. Nach dem Motto: ‚Wer heilt, hat recht!’ Die Meditation hilft dann, den Kopf zu leeren, sprichwörtlich ‚gedankenlos’ zu werden. Dass Meditation auch auf zellulärer Ebene wirkt und reinigt, auch Drüsen anregt, ist die eigentliche Hauptwirkung, aber wieder einigen zu unglaubwürdig. Es gibt mehrere tausend Übungsreihen und Meditationen, die spezifisch wirken – sei es auf physischer, psychischer oder emotionaler Ebene. Je nach persönlichem Anliegen der Klienten wähle ich demnach die Übungen und Meditationen aus.“

Den persönlichen und beruflichen Horizont durch Yoga und Meditation zu weiten, ist ein Modul im Führungskräfte-Coaching von Janina Bäder.
Den persönlichen und beruflichen Horizont durch Yoga und Meditation zu weiten, ist ein Modul im Führungskräfte-Coaching von Janina Bäder. (© 2015 J. Bäder)

Meditation: Esoterik oder ‚Geländer’ zu mehr Effizienz?

"Meditation ist ja kein fernöstlicher Hokuspokus – vielmehr haben auch wir Deutschen eine lange Tradition in der Meditation, siehe etwa der spätmittelalterliche Dominikaner, Theologe und Mystiker Meister Eckhardt. Meditation bedeutet zunächst mal: Gedanken-Leere. Wir sind non-stop Getriebene unserer Gedanken, dabei zu oft auch von negativen Gedanken. Nicht umsonst sagte schon Mark Twain: ‚The worst things in my life never happened.’

Zu oft SIND wir im normalen Tagesablauf nicht IN dem Moment, in dem wir ja gerade faktisch sind und mit Leib und Seele bei dem, was wir gerade tun, sondern wir sind voraus: Bei der Arbeit denken viele schon ans Tennis, beim Tennis ans Essen mit der Frau und beim Dinner schon wieder an den nächsten Tag. Das kongruente Denken, Leben und Sein im Hier und Jetzt kommt stets zu kurz. Immer gehetzt.

Meditation hilft, einen Ausgang aus diesem Unruhe-Labyrinth zu entdecken und zur Ruhe zu kommen. Dieses sich auf sich zu konzentrieren, setzt nicht nur Kreativität frei, sondern es ist auch ein geistiger Reinigungsprozess. Die meisten von uns reinigen jeden Tag morgens und abends ihren Körper. Warum also nicht auch ihren Geist? Da hat sich mindestens genauso viel schädlicher ‚Müll’ angesammelt.“

Welche Kräfte kann Yoga in Unternehmen freisetzen?

„Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich ein Unternehmen vor, in dem Menschen zusammen arbeiten, die ruhig, gelassen und überlegt auf Kunden-Reklamationen oder gravierende Veränderungen im Markt reagieren. Mitarbeiter, die unverbauten Zugang zu ihrem kreativen Potential haben. Mitarbeiter, die in ihrem Tun nicht von ihrem Ego irrelevanten Interessen getrieben sind, sondern von etwas ganz anderem: Neugierde, Streben nach Verbesserung, Sinnstiftung. Wer Yoga praktiziert, hat Kontakt zu sich selbst und dadurch zu seinem Urvertrauen und seiner Intuition. Damit ist seine Grundhaltung positiv: IM Fühlen, Denken und Handeln.“

Wie lässt sich Yoga im Unternehmen implementieren, wie effizient in die Arbeitsabläufe integrieren?

„Natürlich wäre es ideal, wenn sich auch das Top Management, und nicht nur die Personalabteilungen, mehr mit Themen wie Vertrauen, Resilienz, also psychischer Widerstandsfähigkeit oder Bewältigungsstrategien beschäftigten. Als Teil der Mitarbeiter-Weiterbildung. Es gibt bereits Unternehmen, die Pilates während der Arbeitszeit – als eine besondere Form der Mitarbeiterbindung – anbieten. Warum also nicht auch Yoga? Sei es, dass ein Yoga-Lehrer für eine Gruppe ins Unternehmen kommt, sei es im Form von Zuschüssen zu externen Kursen – oder eben sogar Yoga-Einzelstunden als gezielte Coaching-Maßnahme.

Viel wäre auch schon gewonnen, wenn bestimmte yogische Prinzipien im Denken von Unternehmen mehr Raum bekämen. Beispiel: „Achtsamkeit“. Also das Praktizieren und Nutzen bewusster Wertschätzung als ein Enzym für mehr Wertsteigerung im Unternehmen. Achtsamkeit zu praktizieren, geht ganz einfach: Zum Beispiel, indem vor Beginn eines Meetings eine Minute geschwiegen wird. Das hat eine enorme Wirkung auf das Meeting! Als ich selber in Marketingverantwortung war, habe ich sogar einmal wöchentlich mit meinen Mitarbeitern schweigend zu Mittag gegessen. Eine höchst vertrauensstiftende Übung für Teams!“

Ist Yoga immer aufwändig? Welche ‚kleinen’ Übungen gibt es, die ich im Büro, ja am Schreibtisch machen kann?

„Was immer geht, ist Atmen, natürlich das bewusste Atmen. Es fokussiert uns nämlich sofort auf unseren Körper, bringt uns ins Hier und Jetzt. Und der lange tiefe Atem (‚je länger der Atem, um so länger das Leben’) entspannt.

Es gibt viele Atem-Techniken, die unterschiedliche Drüsen stimulieren, die gezielt einsetzbar sind. Wussten Sie, dass wir niemals gleichzeitig aus linkem und rechtem Nasenloch atmen? Es wechselt ca. alle 2,5 Stunden. Der Atem aus dem linken Nasenloch (stimuliert die rechte Gehirnhälfte, Emotionen und steht für Mond) ist eher kühl und beruhigend; der aus dem rechten Nasenloch (stimuliert linkes Gehirn und Ratio, steht für Sonne) fördert Tatendrang, Aktivität. Das lässt sich durch das Zuhalten des entsprechenden Nasenloches beeinflussen. Also: Je nachdem, ob ich mich entspannen will oder mich auf Touren bringen möchte für eine anstehende Aktivität, kann ich die entsprechende Atmung provozieren.

Oder man wählt eine entsprechende Mudra, also eine bestimmte Handgeste. Am bekanntesten ist wohl die „Merkel-Mudra“ mit den 10 Fingerspitzen aneinander. Der Hintergrund: Jeder Finger repräsentiert eine Region im Hirn; so wird das Gehirn gesamthaft stimuliert. Eine ganz leichte Übung: Mit dem Finger oder auch nur mit den Augen eine liegende Acht nachzeichnen: das stimuliert sowohl die rechte als auch linke Gehirnhälfte und erhöht damit die Denkleistung.“

Sie kombinieren Yoga-Coaching mit Segel-Törns. Doppelt hält besser?

„Viele haben den natürlichen Zugang zu ihrer Intuition und sich selbst verloren – in der Natur, konfrontiert mit den ursprünglichen und unberechenbaren Elementen, ist es leichter, wieder Zugang zu finden. Starker Wind, Gischt, Wellen, ungewohnte Geräusche verstärken und beschleunigen die Stimulation der Sinne und den Selbst-Besinnungsprozess - auch den des Yoga. Beim Segeln gilt „Die Natur bewegt uns“ in vielfacher Hinsicht.

Hinzu kommt der buchstäbliche Abstand vom Alltag, der eo ipso schon eine Wirkung auf neues, erweitertes Denken haben kann. Wenn das Segelboot sich vom Land entfernt und die Konturen der Küste bis zur Schemenhaftigkeit abnehmen und schließlich ganz verschwinden, unterstützt dies ein Lösen von vielleicht ungeliebten Denk- und Verhaltensmustern. Das Schiff alleine sorgt schon für den fruchtbaren Abstand zum Alltag. Wer sich auf einen Segeltörn begibt, ist ja angespornt vom Willen nach positiver Veränderung. So zahlen Yoga und Segeln auf dasselbe Ziel, das ja übrigens vorher zwischen Coachee und Coach genau definiert wird - ein.“

Die heutige Dimension von Yoga: Am 21. Juni 2015 hat die Uno den Welt-Yoga-Tag ausgerufen, auch wegen des gesundheitlichen Nutzens der spirituellen und körperlichen Übungen. Gefeiert bzw. praktiziert wurde er in 190 Staaten.

 

Wie Wearables den Arbeitern zu gesünderen Bewegungsmustern verhelfen, verraten Udo Frese von Cyber-Physical Systems und Thomas Claussen von der Leoncini Beteiligungsverwaltung in diesem Video:

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Yoga stärkt die Leistungsfähigkeit von Führungskräften. Yoga stärkt die Leistungsfähigkeit und ist ein top Leadership-Tool für Führungskräfte. (© 2015 Cervo / Shutterstock)

ROI-getriebene Budget-Allokation, Kosten-Nutzen-Rechnungs-Dogmen, marktforschungshörige KPI-Steuerung – das Instrumentarium zahlenbasierter Unternehmensführung ist schier endlos. Viele Manager leiden unter solchem Geschirr der Projektsteuerung, Geschäfts- oder Unternehmensführung. Und immer mehr sehnen sich wieder nach (ihrem) intuitiven, unternehmerischen Führungs-Vermögen. Gerade in Zeiten der Transformation (nicht nur der digitalen) entscheidet wieder eine unschätzbare Manager-Qualität über Performance und Wettbewerbsposition eines Unternehmens: Leadership.

„Wer andere führen will, muss sich selber erst mal führen.“

Pater Anselm Grün, Benediktiner-Mönch, Autor und gesuchter Berater zahlreicher Unternehmen, konstatiert: „Wer andere führen will, muss sich selber erst mal führen.“ Hidden Champion, ja Geheimwaffe, unter den Führungsprinzipien, die beides ermöglichen, ist: Yoga. Das Stigma des esoterischen Luxus’ hat Yoga längst abgestreift. Die zahlreichen verschiedenen Yoga-Ausprägungen legen unterschiedliches Gewicht auf Geistiges oder Körperliches, das Spektrum reicht vom ‚restaurativen Yoga’ bis hin zum ‚Power Yoga’. Konstituierende Elemente sind:

Atemübungen
Körperübungen
Meditationsübungen

Yoga – eine 2500 Jahre alte Lehre der Kraft

Erstmals erwähnt wird der Begriff Yoga in 2500 Jahre alten Sanskrit-Schriften. 195 Verse (Yogasutra) tradieren die DNA, die Essenzen hochkonzentriert. Ursprünglich war die Lehre ein spiritueller Weg zur Erleuchtung, vor allem durch Meditation – unterstützt durch Atemtechniken und Körperhaltungen. Heute belegen jüngste Studien bzw. Kernspin-Aufnahmen, dass tägliche, 30 minütige Yoga-Meditation bereits nach acht Wochen in bestimmten Hirnregionen (zuständig für Gedächtnis, Lernen und Emotionskontrolle) die Zahl der grauen Zellen deutlich zugenommen hat.

Gehirn durch Meditation umtrainieren

Britta Hölzel, Neurowissenschaftlerin und Autorin der Studie, resümiert, dass gestresste Menschen offenbar ihr „Gehirn durch Meditation umtrainieren“ können. Die Wirkung auf die Physis scheint inzwischen unumstritten: Die University von Washington (Seattle) untersuchte Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Eine Gruppe therapierte sich mit Selbsthilfe-Literatur, eine zweite erhielt professionelle Krankengymnastik, die dritte praktizierte Yoga. Die Yoga-Probanden zeigten die größten Erfolge bzgl. Schmerzlinderung und Funktionsverbesserungen.

5 Millionen Deutsche praktizieren heute Yoga, lernen bei 20.000 Yoga-Lehrern. Berater, die ihre Expertise um die Dimension Yoga erweitern, erleben einen Hype. mittelstand DIE MACHER sprach mit Dr. Michael Schwalbach, Ökonom (Columbia University New York) und Unternehmensberater (u. a. Capgemini). Der Chef von IFE Advisory ist selbst Yoga-Lehrer.

Unternehmensberater Dr. Michael Schwalbach: "Yoga ist die Königsklasse im Bereich der Leadership-Tools."
Unternehmensberater Dr. Michael Schwalbach: "Yoga ist die Königsklasse im Bereich der Leadership-Tools." (© 2015 M. Schwalbach)

Unternehmen investieren viel Mühe, Zeit und Geld, um Führungspersönlichkeiten und Führungsmentalitäten weiterzuentwickeln – und schicken High Potentials oft wieder in Seminare ehrwürdiger Universitäten. Welches Potenzial steckt demgegenüber in Yoga für (Modern) Leadership in der Wirtschaft?

Dr. Michael Schwalbach: „Viele Trainings und Seminare sind sicher sinnvoll, vermitteln wertvolles Handwerkszeug und Wissen. Die Entwicklung von Persönlichkeit, die Veränderung von innerer Haltung und Verhalten ist jedoch eine schwierige Aufgabe, die Zeit und eine intensive und selbstakzeptierende Auseinandersetzung mit sich selbst erfordert. Gute Führungskräfte vertrauen nicht ausschließlich auf das Rationale und Analytische. Sie nutzen Werkzeuge um zu verstehen, wie sie selbst ticken und wahrnehmen. Auf dieser Basis entwickeln und verankern sie neues, hilfreiches Führungsverhalten. Auch und besonders dann, wenn der Druck groß ist und viel auf dem Spiel steht.
Ich sage meinen Kunden häufig: Der Schlüssel für gute Führung ist nicht Ihre Handlungs–Toolbox. Der Schlüssel sind Sie selbst. Hier hat der Yoga eine Menge zu bieten, denn er ist ein Übungsweg zur Selbsterkenntnis und- wahrnehmung mentaler Kontrolle sowie Erforschung und Entwicklung des eigenen Bewusstseins. Bessere Selbstführung ist die Basis besserer Führung, d.h. der Gestaltung gelingender Führungsbeziehungen. ‚Führung ist wie eine Reise der beruflichen und persönlichen Entwicklung’, sagt Bernard Fontana, CEO von Holcim, dem weltgrößten Baustoffproduzenten. So gesehen kann Yoga ein sehr hilfreicher Reisebegleiter sein.
Sie müssen übrigens nicht unbedingt auf der Matte, sitzen, um Yoga zu praktizieren. Yoga sollte in den Berufsalltag integriert sein, mit gezielten, kurzen Übungen am Arbeitsplatz.“
Immer mehr Unternehmenslenker und Führungskräfte setzen mehr und mehr auf Yoga – was fehlt Unternehmen ohne Yoga?
„Yoga ist kein Wundermittel, aber es ist sicher kein Zufall, dass diese Methode gerade in unserer heutigen Zeit auf immer stärkere Resonanz trifft. Ich denke das hat vor allem zwei Gründe. Da ist zum ersten das gestiegene Bedürfnis der Führungskräfte nach besserer Selbstführung, nach Work-Life-Blending, Regeneration und Reflexion. Die Erfahrung mit Yoga bringt uns wieder in Verbindung mit uns selbst, unserem Rhythmus, unserer Energie und unseren Werten. Ein Vorteil von Yoga ist der ganzheitliche Blick auf den Menschen, dieses faszinierende ‚Körper-Geist-Netzwerk’ mit seinen vielfältigen Wechselwirkungen.
Yoga ist Mentaltraining, weil systematisch die Gelassenheit sowie die Stärkung und Steuerung der Konzentration geübt werden, aber es hat immer auch den Körper im Blick. Jeder von uns weiss ja aus eigener Erfahrung, dass wir ohne körperliche Regeneration auch mental keine Höchstleistungen vollbringen können. Kurzum: Yoga ist eine all-in-one-Methode zur Führungskräfteentwicklung, die mentale Techniken wie Meditation beinhaltet, und gleichzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit steigern hilft.
Zum zweiten ist in Führungskreisen ein gewisses Unbehagen erkennbar, was die Wirksamkeit vieler aktueller Maßnahmen der Führungskräfteentwicklung betrifft. Wie die Harvard-Professorin Barbara Kellerman feststellt, ist zwar in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte ‚Leadership-Industrie’ entstanden. Die Führungsergebnisse sind indes ziemlich ernüchternd, wenn wir zum Beispiel auf die Entwicklung von Vertrauen, Engagement und Resilienz in Unternehmen schauen. Mehr vom Gleichen braucht es offenbar nicht. Dies gilt umso mehr, als wir gerade einen Wechsel im Führungsverständnis erleben. Viele Führungskräfte erwarten von Unternehmen zukünftig deutlich höhere Anforderungen an die Fähigkeiten zur Sinnstiftung, Selbstorganisation, Agilität, und Kooperation.
Führungsstärke in einem solchen Umfeld bedeutet, Beziehungen so zu gestalten, dass die Entwicklung, Inspiration und Vernetzung hochqualifizierter Mitarbeiter gewährleistet wird. Dies wiederum setzt eine effektive Selbststeuerung voraus. Ein Beispiel: Zuhören ist eine zentrale Kompetenz, um vertrauensvolle Führungsbeziehungen aufzubauen. Ich kann aber nicht aufmerksam und empathisch zuhören, wenn ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin, d.h. mit meinen Emotionen oder damit, im Gespräch unbedingt einen Standpunkt durchbringen zu wollen.

Eine gute Führungskraft verfügt über Techniken, um mit Emotionen konstruktiv umzugehen und das Ego genau dann im Griff zu haben, wenn es darauf ankommt. Mittlerweile ist die positive Wirkungskraft von Yoga in vielen Bereichen wissenschaftlich erwiesen. Und immer mehr spannende Erkenntnisse werden zutage gefördert, wie und warum Yoga auf unseren Körper und unser Gehirn wirkt. Ich gehe nun schon einige Jahre der Frage nach, was diese Erkenntnisse für Unternehmensführung bedeuten. Für mich ist faszinierend zu erkennen, wie gut die uralte Weisheitslehre Yoga zur Entwicklung von Kompetenzen geeignet ist, die für Führung im 21. Jahrhundert benötigt werden. Hierzu einige Beispiele.

Mehr Gelassenheit und Stressresistenz wünschen sich viele Führungskräfte. In brenzligen Situationen die Ruhe zu bewahren ist ein Zeichen von Stärke. Gelassenheit ist das übergeordnete Ziel des Yoga, das durch das systematische Üben der achtsamen (d.h. konzentrierten, möglichst beurteilungsfreien) Wahrnehmung von Atmung, Körper und Emotionen gefördert wird. Mit Yoga kann auch ein physiologischer Ruhezustand herbeigeführt werden. Schon einfache Übungen verringern Herzschlag, Atmungsfrequenz, Sauerstoffverbrauch und Blutdruck. Regelmäßige Praxis senkt die Ruheenergie um mehr als 10 %.

Mutig, also trotz Angst, zu entscheiden und zu handeln ist eine unternehmerische Kardinaltugend. Mut ist auch gefragt in einer Unternehmensrealität, die häufig anzutreffen ist: Viele Führungskräfte funktionieren ‚gefangen’ in einem Zwiespalt: Sie streben nach einem integeren, authentischen Verhalten, geprägt von Respekt, Vertrauen, Fairness und Kooperation. Im beruflichen Tagesgeschäft sehen sie jedoch oft Sachzwängen ausgesetzt, hinter denen sich Egoismus und Rücksichtslosigkeit verbergen. Yoga wirkt als „Mutwerkstatt“, denn Yogaübende lernen eine adäquate Bewältigungsstrategie bei Angst. Sie stellen sich ihren mentalen Blockaden und machen schrittweise positive Erfahrungen. Auf diese Weise wächst das Selbstvertrauen, eine unerlässliche Ressource für mutiges agieren.

Mit Yoga wird die Empathie trainiert. Yoga ist eine systematische Wahrnehmungsschulung, auch und vor allem von uns selbst. Und je besser wir in Selbstwahrnehmung geübt sind, desto eher sind wir in der Lage uns in den anderen hineinzufühlen, weil wir in beiden Fällen dieselben Gehirnregionen aktivieren.
Yoga fördert außerdem erwiesenermaßen die Konzentration, die Kreativität, Willenskraft, die professionelle Nutzung der Intuition, und zahlreiche weitere Kompetenzen. Marc Benioff, Selfmade-Milliardär und Gründer von salesforce.com, einem Pionierunternehmen des Cloud Computing, hat einmal gesagt: „Yoga ist ein Leadership-Tool“. Um von den Vorteilen des Yoga zu profitieren ist allerdings ausdauerndes Üben wichtig.“

Yoga als Technik für Unternehmens-Entwicklung?

„Aus meiner Sicht definitiv Ja. Wie oben skizziert können Führungskräfte mit Yoga wichtige Kompetenzen entwickeln, die für gute Führung wesentlich sind.
Im Zusammenhang mit Unternehmensentwicklung möchte ich auch kurz darauf hinweisen, dass die Weisheitslehre Yoga über einen Kanon von ethischen Prinzipien wie etwa Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und Selbstdisziplin verfügt, der sich sehr gut eignet, die persönliche und Unternehmensentwicklung zu reflektieren.“
Lässt sich das Wertschöpfungs-Potenzial von Yoga für Unternehmen beziffern bzw. dimensionieren?
„Kürzlich hatte ich eine lange Diskussion mit Prof. Gerhard Roth, dem renommierten Entwicklungsbiologen und Hirnwissenschaftler. Aus dem Gespräch habe ich eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: Ein Großteil der Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung trivialisiert das Thema Veränderung der Haltung und Persönlichkeit. Die Interventionen sind zu kurz und / oder gehen nicht tief genug. Insofern stellt sich für mich, etwas provokativ zwar, aber mit durchaus ernstem Hintergrund, die Frage, wie lange es ohne Yoga in der heutigen Zeit überhaupt noch gehen kann.“

mittelstand DIE MACHER sprach auch mit der Unternehmensberaterin Janina Bäder. Die Beraterin (u.a. Arther D. Little) ist Systemischer Coach, Segel-Lehrerin (Skipper) und Yoga-Lehrerin.

Unternehmensberaterin Janina Bäder coacht Führungskräfte auch mithilfe von Kundalini-Yoga.
Unternehmensberaterin Janina Bäder coacht Führungskräfte auch mithilfe von Kundalini-Yoga. (© 2015 J. Bäder)

 

Ein Part Ihres Coachings von Führungskräften sind Übungen aus dem Yoga. Warum?

Janina Bäder: "Viele Klienten kommen mit beruflichen Anliegen – doch wenn man den Problemen auf den Grund geht, haben letztlich alle einen persönlichen Ursprung oder Hintergrund. Die Probleme resultieren aus eingeschliffenen Verhaltensmustern oder ungewollten Einstellungen. Um sie zu justieren, braucht man einen Zugang zu sich selbst – und genau den haben viele über die Jahre verloren. Yoga kann helfen, diesen Zugang zu sich, seiner inneren Stimme, seinem Herzen, kurz: zu seinem innewohnenden intuitiven Potenzial wieder zu erlangen.

Viele sind - vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein - in einem ständigen inneren Konflikt, noch dazu einem, der unglaublich viel Energie verschwendet: Der Verstand zielt auf bestimmte Dinge, die jedoch der Körper nicht will und der Körper verlangt vielleicht nach Dingen, die der Verstand nicht zulässt. Der Kopf gibt eine Richtung vor, der der Körper nicht folgen will und der Körper sendet Impulse, die der Verstand nicht versteht. Hier vermag Yoga zu übersetzen, baut Brücken und sprengt innere Barrikaden.

In den Sitzungen gehen wir lösungsorientiert vor - jeder trägt alle Ressourcen zur Problemlösung selbst in sich. Ich führe nur beim eigenen Aufspüren des Zugangs zu sich selbst. Damit die Klienten dafür offen sind, hilft es, wenn sie ruhig werden (nur in einem stillen Gewässer kann man bis auf den Grund schauen) und sich nur auf sich besinnen und das ewig ratternde Denk-Uhrwerk mal vorübergehend abschalten. Hier setzt Yoga an.

Beim Kundalini Yoga z. B. starten wir mit Körperübungen, um u. a. Zugang zum Körper zu gewinnen, sich zu spüren und für die folgende Meditation vorzubereiten. Dass die Übungen dabei auch auf bestimmte Meridiane, Chakren, etc. wirken, ist vielen zu esoterisch und Klienten glauben zunächst nicht daran, spüren aber die Wirkung. Nach dem Motto: ‚Wer heilt, hat recht!’ Die Meditation hilft dann, den Kopf zu leeren, sprichwörtlich ‚gedankenlos’ zu werden. Dass Meditation auch auf zellulärer Ebene wirkt und reinigt, auch Drüsen anregt, ist die eigentliche Hauptwirkung, aber wieder einigen zu unglaubwürdig. Es gibt mehrere tausend Übungsreihen und Meditationen, die spezifisch wirken – sei es auf physischer, psychischer oder emotionaler Ebene. Je nach persönlichem Anliegen der Klienten wähle ich demnach die Übungen und Meditationen aus.“

Den persönlichen und beruflichen Horizont durch Yoga und Meditation zu weiten, ist ein Modul im Führungskräfte-Coaching von Janina Bäder.
Den persönlichen und beruflichen Horizont durch Yoga und Meditation zu weiten, ist ein Modul im Führungskräfte-Coaching von Janina Bäder. (© 2015 J. Bäder)

Meditation: Esoterik oder ‚Geländer’ zu mehr Effizienz?

"Meditation ist ja kein fernöstlicher Hokuspokus – vielmehr haben auch wir Deutschen eine lange Tradition in der Meditation, siehe etwa der spätmittelalterliche Dominikaner, Theologe und Mystiker Meister Eckhardt. Meditation bedeutet zunächst mal: Gedanken-Leere. Wir sind non-stop Getriebene unserer Gedanken, dabei zu oft auch von negativen Gedanken. Nicht umsonst sagte schon Mark Twain: ‚The worst things in my life never happened.’

Zu oft SIND wir im normalen Tagesablauf nicht IN dem Moment, in dem wir ja gerade faktisch sind und mit Leib und Seele bei dem, was wir gerade tun, sondern wir sind voraus: Bei der Arbeit denken viele schon ans Tennis, beim Tennis ans Essen mit der Frau und beim Dinner schon wieder an den nächsten Tag. Das kongruente Denken, Leben und Sein im Hier und Jetzt kommt stets zu kurz. Immer gehetzt.

Meditation hilft, einen Ausgang aus diesem Unruhe-Labyrinth zu entdecken und zur Ruhe zu kommen. Dieses sich auf sich zu konzentrieren, setzt nicht nur Kreativität frei, sondern es ist auch ein geistiger Reinigungsprozess. Die meisten von uns reinigen jeden Tag morgens und abends ihren Körper. Warum also nicht auch ihren Geist? Da hat sich mindestens genauso viel schädlicher ‚Müll’ angesammelt.“

Welche Kräfte kann Yoga in Unternehmen freisetzen?

„Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich ein Unternehmen vor, in dem Menschen zusammen arbeiten, die ruhig, gelassen und überlegt auf Kunden-Reklamationen oder gravierende Veränderungen im Markt reagieren. Mitarbeiter, die unverbauten Zugang zu ihrem kreativen Potential haben. Mitarbeiter, die in ihrem Tun nicht von ihrem Ego irrelevanten Interessen getrieben sind, sondern von etwas ganz anderem: Neugierde, Streben nach Verbesserung, Sinnstiftung. Wer Yoga praktiziert, hat Kontakt zu sich selbst und dadurch zu seinem Urvertrauen und seiner Intuition. Damit ist seine Grundhaltung positiv: IM Fühlen, Denken und Handeln.“

Wie lässt sich Yoga im Unternehmen implementieren, wie effizient in die Arbeitsabläufe integrieren?

„Natürlich wäre es ideal, wenn sich auch das Top Management, und nicht nur die Personalabteilungen, mehr mit Themen wie Vertrauen, Resilienz, also psychischer Widerstandsfähigkeit oder Bewältigungsstrategien beschäftigten. Als Teil der Mitarbeiter-Weiterbildung. Es gibt bereits Unternehmen, die Pilates während der Arbeitszeit – als eine besondere Form der Mitarbeiterbindung – anbieten. Warum also nicht auch Yoga? Sei es, dass ein Yoga-Lehrer für eine Gruppe ins Unternehmen kommt, sei es im Form von Zuschüssen zu externen Kursen – oder eben sogar Yoga-Einzelstunden als gezielte Coaching-Maßnahme.

Viel wäre auch schon gewonnen, wenn bestimmte yogische Prinzipien im Denken von Unternehmen mehr Raum bekämen. Beispiel: „Achtsamkeit“. Also das Praktizieren und Nutzen bewusster Wertschätzung als ein Enzym für mehr Wertsteigerung im Unternehmen. Achtsamkeit zu praktizieren, geht ganz einfach: Zum Beispiel, indem vor Beginn eines Meetings eine Minute geschwiegen wird. Das hat eine enorme Wirkung auf das Meeting! Als ich selber in Marketingverantwortung war, habe ich sogar einmal wöchentlich mit meinen Mitarbeitern schweigend zu Mittag gegessen. Eine höchst vertrauensstiftende Übung für Teams!“

Ist Yoga immer aufwändig? Welche ‚kleinen’ Übungen gibt es, die ich im Büro, ja am Schreibtisch machen kann?

„Was immer geht, ist Atmen, natürlich das bewusste Atmen. Es fokussiert uns nämlich sofort auf unseren Körper, bringt uns ins Hier und Jetzt. Und der lange tiefe Atem (‚je länger der Atem, um so länger das Leben’) entspannt.

Es gibt viele Atem-Techniken, die unterschiedliche Drüsen stimulieren, die gezielt einsetzbar sind. Wussten Sie, dass wir niemals gleichzeitig aus linkem und rechtem Nasenloch atmen? Es wechselt ca. alle 2,5 Stunden. Der Atem aus dem linken Nasenloch (stimuliert die rechte Gehirnhälfte, Emotionen und steht für Mond) ist eher kühl und beruhigend; der aus dem rechten Nasenloch (stimuliert linkes Gehirn und Ratio, steht für Sonne) fördert Tatendrang, Aktivität. Das lässt sich durch das Zuhalten des entsprechenden Nasenloches beeinflussen. Also: Je nachdem, ob ich mich entspannen will oder mich auf Touren bringen möchte für eine anstehende Aktivität, kann ich die entsprechende Atmung provozieren.

Oder man wählt eine entsprechende Mudra, also eine bestimmte Handgeste. Am bekanntesten ist wohl die „Merkel-Mudra“ mit den 10 Fingerspitzen aneinander. Der Hintergrund: Jeder Finger repräsentiert eine Region im Hirn; so wird das Gehirn gesamthaft stimuliert. Eine ganz leichte Übung: Mit dem Finger oder auch nur mit den Augen eine liegende Acht nachzeichnen: das stimuliert sowohl die rechte als auch linke Gehirnhälfte und erhöht damit die Denkleistung.“

Sie kombinieren Yoga-Coaching mit Segel-Törns. Doppelt hält besser?

„Viele haben den natürlichen Zugang zu ihrer Intuition und sich selbst verloren – in der Natur, konfrontiert mit den ursprünglichen und unberechenbaren Elementen, ist es leichter, wieder Zugang zu finden. Starker Wind, Gischt, Wellen, ungewohnte Geräusche verstärken und beschleunigen die Stimulation der Sinne und den Selbst-Besinnungsprozess - auch den des Yoga. Beim Segeln gilt „Die Natur bewegt uns“ in vielfacher Hinsicht.

Hinzu kommt der buchstäbliche Abstand vom Alltag, der eo ipso schon eine Wirkung auf neues, erweitertes Denken haben kann. Wenn das Segelboot sich vom Land entfernt und die Konturen der Küste bis zur Schemenhaftigkeit abnehmen und schließlich ganz verschwinden, unterstützt dies ein Lösen von vielleicht ungeliebten Denk- und Verhaltensmustern. Das Schiff alleine sorgt schon für den fruchtbaren Abstand zum Alltag. Wer sich auf einen Segeltörn begibt, ist ja angespornt vom Willen nach positiver Veränderung. So zahlen Yoga und Segeln auf dasselbe Ziel, das ja übrigens vorher zwischen Coachee und Coach genau definiert wird - ein.“

Die heutige Dimension von Yoga: Am 21. Juni 2015 hat die Uno den Welt-Yoga-Tag ausgerufen, auch wegen des gesundheitlichen Nutzens der spirituellen und körperlichen Übungen. Gefeiert bzw. praktiziert wurde er in 190 Staaten.

 

Wie Wearables den Arbeitern zu gesünderen Bewegungsmustern verhelfen, verraten Udo Frese von Cyber-Physical Systems und Thomas Claussen von der Leoncini Beteiligungsverwaltung in diesem Video:

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