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Gewerbe anmelden: 6 Tipps zur Selbstständigkeit

Der Schlüssel zum Erfolg: Wer als Unternehmer durchstarten will, muss dafür meistens ein Gewerbe anmelden. Damit beginnt ein Weg durch die Instanzen. Mit dem Antrag beim Gewerbeamt allein ist es nämlich nicht getan. Auf Gründer warten noch weitere bürokratische Herausforderungen.
Gewerbe anmelden: 6 Tipps zur Selbstständigkeit Schlüsselerlebnis: Wenn Sie ein Gewerbe anmelden, machen Sie Ihren ersten Schritt hin zur Selbständigkeit. (© 2016 WHYFRAME/Shutterstock)

Tipp 1: Wer ein Gewerbe anmelden muss und wer nicht

Ein Gewerbe anmelden müssen Sie, wenn Sie in Deutschland Waren und/oder Dienstleistungen verkaufen oder mit diesen Handel treiben wollen. Und damit pro Jahr mehr als 720 Euro Gewinn machen. Es sei denn, Sie sind anerkannter Freiberufler (§18 Umsatzsteuergesetz). Dann sind Sie von der Anmeldepflicht befreit. Zu dieser Gruppe von Ausnahmen zählen "Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnliche Berufe". Die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig, so dass im Zweifel das zuständige Finanzamt darüber entscheidet. Fragen im Vorfeld kann zudem ein Online-Besuch beim Bundesverband der Freien Berufe e. V. klären.

Tipp 2: Die notwendigen Unterlagen

Grundsätzlich müssen Sie Ihren Personalausweis respektive Ihren Reisepass sowie eine Meldebescheinigung bei der zuständigen Stelle (Tipp 3) vorlegen. Soll ein Vertreter für Sie das Gewerbe anmelden, dann braucht dieser von Ihnen eine zweckgebundene Vollmacht und eine Fotokopie Ihres Personalausweises. Hier finden Sie ein Muster für die Gewerbeanmeldung. Muss Ihr Unternehmen in das Handelsregister eingetragen werden, dann brauchen Sie auch den entsprechenden Handelsregisterauszug und den notariell beglaubigten Gesellschaftsvertrag.

In Ausnahmefällen (zum Beispiel Handwerker und Gastronomen) sind zudem weitere Unterlagen, etwa ein polizeiliches Führungszeugnis,  eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes oder eine Gewerbeerlaubnis vorzulegen. Eine Übersicht davon betroffener Berufe und Gewerke hat die IHK Hamburg zusammengestellt. Für die oben genannten Freien Berufe sowie Kleingewerbetreibende ist kein Handelsregistereintrag notwendig.

Tipp 3: Die zuständigen Stellen

Haben Sie alle Unterlagen beisammen, dann führt Sie der erste Gang zum Gewerbeamt oder Ordnungsamt. Das sitzt in der Regel in Ihrer Stadt-, Gemeinde- oder Kreisverwaltung. Je nach Ihrem Wohnort und Metier kann auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer zuständig sein. In jedem Fall erhalten Sie dort einen Gewerbeschein. Dafür werden üblicherweise zwischen zehn und 50 Euro fällig. Nicht immer ist Ihr persönliches Erscheinen notwendig. Manchmal kann die Anmeldung auch per Post oder auch schon online über die Bühne gehen.

Übrigens: Für Einzelunternehmen stellt dessen Inhaber den Antrag, für Personengesellschaften der Geschäftsführer oder die geschäftsführenden Gesellschafter und für eine Kapitalgesellschaft erledigt das der vertretungsberechtigte Geschäftsführer.

Tipp 4: Weitere Schritte

Mit der Gewerbeanmeldung stoßen Sie automatisch eine Reihe von weiteren Vorgängen an. So leitet die zuständige Behörde (Schritt 3) Ihr Ansinnen unter Umständen an die Berufsgenossenschaft, IHK, das Statistische Landesamt oder das Amtsgericht (Handelsregister) weiter. Und falls Sie Mitarbeiter beschäftigen wollen, erhalten Sie auf Antrag eine achtstellige Betriebsnummer von der Agentur für Arbeit. Auch der freiwillige oder Pflichtbeitritt zur Berufsgenossenschaft kann anstehen. Weitere Informationen zu den möglichen Folgeerscheinungen Ihrer Gewerbeanmeldung hat die "Gründerwelt" zusammengestellt.

Tipp 5: Die Steuern

Wenn Sie ein Gewerbe anmelden, dann wird davon auch das Finanzamt informiert. In der Folge müssen Sie mehrere Steuern zahlen. Fällig werden unter anderem:

  • Umsatzsteuer (USt) / Mehrwertsteuer (MwSt)
  • Gewerbesteuer (GewSt)
  • Körperschaftsteuer (KSt)
  • Einkommensteuer (ESt)
  • Lohnsteuer (LSt)

Welche davon für Sie in welchem Maße abzuführen sind, sollten Sie am besten mit einem Steuerberater klären. Eine grobe Einführung in die wichtigsten Steuerarten gewährt die IHK Hamburg.

Tipp 6: Sonderfall Kleingewerbe

Kleingewerbetreibende profitieren von einer Regelung, die ihnen viel bürokratischen Aufwand und so manche Steuer erspart. Dazu gehören Firmen, die keines kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb bedürfen. Ihr Jahresumsatz darf zur Gründung bei maximal 17.500 Euro liegen und im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 Euro betragen. Wenn Sie ein solches Gewerbe anmelden, dann sind Sie zwar Unternehmer, aber kein Kaufmann. Weitere Unterschiede zur üblichen Praxis kurz notiert:

  • Sie müssen weder Bücher führen noch eine Bilanz erstellen.
  • Umsatzsteuer-Vorauszahlungen fallen für Sie ebenso flach.
  • Für Rechnungen weisen Sie keine Umsatzsteuer aus.
  • Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist kein Vorsteuerabzug möglich.

Weiterführende Links:

  • Mehr Hinweise zum Thema Gewerbe anmelden finden Sie bei "clever-selbständig".
  • Die Offene Handelsgesellschaft ist kein Projekt für Einzelkämpfer. Wenn Sie eine OHG gründen, sind Sie auf einen oder mehrere Partner angewiesen.
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Gewerbe anmelden: 6 Tipps zur Selbstständigkeit

Der Schlüssel zum Erfolg: Wer als Unternehmer durchstarten will, muss dafür meistens ein Gewerbe anmelden. Damit beginnt ein Weg durch die Instanzen. Mit dem Antrag beim Gewerbeamt allein ist es nämlich nicht getan. Auf Gründer warten noch weitere bürokratische Herausforderungen.
Gewerbe anmelden: 6 Tipps zur Selbstständigkeit Schlüsselerlebnis: Wenn Sie ein Gewerbe anmelden, machen Sie Ihren ersten Schritt hin zur Selbständigkeit. (© 2016 WHYFRAME/Shutterstock)

Tipp 1: Wer ein Gewerbe anmelden muss und wer nicht

Ein Gewerbe anmelden müssen Sie, wenn Sie in Deutschland Waren und/oder Dienstleistungen verkaufen oder mit diesen Handel treiben wollen. Und damit pro Jahr mehr als 720 Euro Gewinn machen. Es sei denn, Sie sind anerkannter Freiberufler (§18 Umsatzsteuergesetz). Dann sind Sie von der Anmeldepflicht befreit. Zu dieser Gruppe von Ausnahmen zählen "Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnliche Berufe". Die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig, so dass im Zweifel das zuständige Finanzamt darüber entscheidet. Fragen im Vorfeld kann zudem ein Online-Besuch beim Bundesverband der Freien Berufe e. V. klären.

Tipp 2: Die notwendigen Unterlagen

Grundsätzlich müssen Sie Ihren Personalausweis respektive Ihren Reisepass sowie eine Meldebescheinigung bei der zuständigen Stelle (Tipp 3) vorlegen. Soll ein Vertreter für Sie das Gewerbe anmelden, dann braucht dieser von Ihnen eine zweckgebundene Vollmacht und eine Fotokopie Ihres Personalausweises. Hier finden Sie ein Muster für die Gewerbeanmeldung. Muss Ihr Unternehmen in das Handelsregister eingetragen werden, dann brauchen Sie auch den entsprechenden Handelsregisterauszug und den notariell beglaubigten Gesellschaftsvertrag.

In Ausnahmefällen (zum Beispiel Handwerker und Gastronomen) sind zudem weitere Unterlagen, etwa ein polizeiliches Führungszeugnis,  eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes oder eine Gewerbeerlaubnis vorzulegen. Eine Übersicht davon betroffener Berufe und Gewerke hat die IHK Hamburg zusammengestellt. Für die oben genannten Freien Berufe sowie Kleingewerbetreibende ist kein Handelsregistereintrag notwendig.

Tipp 3: Die zuständigen Stellen

Haben Sie alle Unterlagen beisammen, dann führt Sie der erste Gang zum Gewerbeamt oder Ordnungsamt. Das sitzt in der Regel in Ihrer Stadt-, Gemeinde- oder Kreisverwaltung. Je nach Ihrem Wohnort und Metier kann auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer zuständig sein. In jedem Fall erhalten Sie dort einen Gewerbeschein. Dafür werden üblicherweise zwischen zehn und 50 Euro fällig. Nicht immer ist Ihr persönliches Erscheinen notwendig. Manchmal kann die Anmeldung auch per Post oder auch schon online über die Bühne gehen.

Übrigens: Für Einzelunternehmen stellt dessen Inhaber den Antrag, für Personengesellschaften der Geschäftsführer oder die geschäftsführenden Gesellschafter und für eine Kapitalgesellschaft erledigt das der vertretungsberechtigte Geschäftsführer.

Tipp 4: Weitere Schritte

Mit der Gewerbeanmeldung stoßen Sie automatisch eine Reihe von weiteren Vorgängen an. So leitet die zuständige Behörde (Schritt 3) Ihr Ansinnen unter Umständen an die Berufsgenossenschaft, IHK, das Statistische Landesamt oder das Amtsgericht (Handelsregister) weiter. Und falls Sie Mitarbeiter beschäftigen wollen, erhalten Sie auf Antrag eine achtstellige Betriebsnummer von der Agentur für Arbeit. Auch der freiwillige oder Pflichtbeitritt zur Berufsgenossenschaft kann anstehen. Weitere Informationen zu den möglichen Folgeerscheinungen Ihrer Gewerbeanmeldung hat die "Gründerwelt" zusammengestellt.

Tipp 5: Die Steuern

Wenn Sie ein Gewerbe anmelden, dann wird davon auch das Finanzamt informiert. In der Folge müssen Sie mehrere Steuern zahlen. Fällig werden unter anderem:

  • Umsatzsteuer (USt) / Mehrwertsteuer (MwSt)
  • Gewerbesteuer (GewSt)
  • Körperschaftsteuer (KSt)
  • Einkommensteuer (ESt)
  • Lohnsteuer (LSt)

Welche davon für Sie in welchem Maße abzuführen sind, sollten Sie am besten mit einem Steuerberater klären. Eine grobe Einführung in die wichtigsten Steuerarten gewährt die IHK Hamburg.

Tipp 6: Sonderfall Kleingewerbe

Kleingewerbetreibende profitieren von einer Regelung, die ihnen viel bürokratischen Aufwand und so manche Steuer erspart. Dazu gehören Firmen, die keines kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb bedürfen. Ihr Jahresumsatz darf zur Gründung bei maximal 17.500 Euro liegen und im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 Euro betragen. Wenn Sie ein solches Gewerbe anmelden, dann sind Sie zwar Unternehmer, aber kein Kaufmann. Weitere Unterschiede zur üblichen Praxis kurz notiert:

  • Sie müssen weder Bücher führen noch eine Bilanz erstellen.
  • Umsatzsteuer-Vorauszahlungen fallen für Sie ebenso flach.
  • Für Rechnungen weisen Sie keine Umsatzsteuer aus.
  • Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist kein Vorsteuerabzug möglich.

Weiterführende Links:

  • Mehr Hinweise zum Thema Gewerbe anmelden finden Sie bei "clever-selbständig".
  • Die Offene Handelsgesellschaft ist kein Projekt für Einzelkämpfer. Wenn Sie eine OHG gründen, sind Sie auf einen oder mehrere Partner angewiesen.
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