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Wie ist das sein Unternehmen zu verkaufen - Niclaus Mewes?

Niclaus Mewes ist Gründer und Geschäftsführer der Taxivermittlung mytaxi. Im September 2014 verkaufte der Unternehmer die Taxi-App jedoch an die Daimler-Tochter Moovel. Ein klassischer Exit. Mewes ist immer noch an Bord, nur eben nicht mehr im eigenen Unternehmen. Wir wollten daher wissen: Wie ist das so sein Unternehmen zu verkaufen?
Niclaus Mewes (© 2015 )

Herr Mewes, Sie haben vor kurzem Ihr Unternehmen mytaxi an die Daimler-Tochter Moovel verkauft. Ist Ihnen das leicht gefallen?

Überhaupt nicht. mytaxi ist das Baby von mir und meinem Mitgründer Sven Külper. Wir haben sehr viel Herzblut, Schweiß und Energie in den Aufbau von mytaxi gesteckt. Ich kenne alle Mitarbeiter nach wie vor persönlich und übrigens auch eine Menge der angeschlossenen Taxifahrer. Wir haben lange überlegt, ob jetzt bereits der richtige Zeitpunkt für den Verkauf ist und haben uns dann für den Verkauf entschieden, weil moovel als Pionier im Bereich innovativer Mobilitätsdienstleister unserer Ansicht nach ein perfekter Partner war und ist. Für uns bedeutete dieser Schritt, dass wir unserer Vision, Europas größte und beste Taxi-App zu sein - leichter und schneller verwirklichen können. Darum hat der Verkauf einfach Sinn gehabt. Ich bereue den Schritt keine Sekunde, weil ich sicher bin, dass es die beste Entscheidung für eine positive Zukunft von mytaxi und unserem Team ist.

Sicher hilft einem die Aussicht auf einen finanziellen Ausgleich. Das Unternehmen, die Kollegen, die Geschäftsbeziehungen - das wächst einem doch irgendwie ans Herz, oder?

Mytaxi ist für mich mehr als nur eine Firma oder irgendein x-beliebiges Projekt. Es ist mein Baby auf das ich stolz bin. Im Laufe der Jahre sind gute Freundschaften mit einer Vielzahl von Mitarbeitern entstanden. Das gibt man nicht leichten Herzens auf. Aber das war auch nicht nötig, denn wir haben uns mit moovel darauf verständigt, dass beiden Firmen unabhängig von einander weitergeführt werden.

Wie muss man sich so einen professionellen und emotionalen Ablöseprozess vorstellen?

Der erfolgreiche Exit ist häufig der Wunschtraum von Gründern. Bei uns stand das aber nie im Mittelpunkt. Im Gegenteil. Die Aufbaujahre waren auf jeden Fall mit einer Menge Emotionen verbunden. Es wäre sicher etwas anderes, wenn wir einfach verkauft hätten, und das war es dann. Doch mit moovel haben wir einen Partner gefunden, der an die Zukunft von mytaxi glaubt und der die gleichen Ziele wie wir verfolgt. Darum hatte ich gar nicht das Gefühl, dass es einen Ablöseprozess gibt. Ich bin ja nach wie vor als CEO an Bord und darf die weitere Entwicklung mitbestimmen und vorantreiben.

Haben Sie sich dabei Unterstützung gesucht?

Nach vielen Investitionsrunden ist eigentlich jeder Gründer recht gut in diesen Themen drin. Darüber hinaus vereinfacht es natürlich, wenn der Käufer schon Gesellschafter war. Natürlich hatten wir eine Anwaltskanzlei, aber einen M&A-Berater hatten wir nicht.

Ihr Mitgründer und Partner hat das Unternehmen bereits verlassen. Fehlt einem da nicht ein wichtiger Sparring und Mitstreiter?

Es ist kein Geheimnis, dass Sven Külper und ich nicht nur Geschäftspartner waren, sondern auch gute Freunde und Cousins. Natürlich vermisse ich ihn, aber ich gönne ihm auch seine Auszeit, die er sich redlich verdient hat. Glücklicherweise haben wir ein starkes und kompetentes Management-Team. Die Lücke, die Sven hinterlassen hat, haben wir schnell gefüllt.

Nach dem Verkauf sind Sie vom Chef wieder zum Angestellten geworden, müssen nun wieder anderen - zumindest Übergangsweise - reporten. Ist Ihnen die Umstellung leicht gefallen?

Sogar sehr leicht. Auch wenn ich Gründer und CEO bin, habe ich stets auf Augenhöhe mit allen Mitarbeitern kommuniziert. Daran hat sich nichts geändert. Und reporten mussten wir auch schon an unsere Investoren. Es ist im Grunde genommen sogar einfacher geworden, weil wir nur noch an moovel berichten und nicht mehr an den großen Investorenkreis.

Als Nicht-mehr-Eigentümer müssen Sie hinnehmen, dass sich Ihr Baby im Zweifel anders entwickelt, als Sie das vielleicht gemacht oder gewollt hätten. Kommt da nicht vereinzelt Ärger auf - erst recht, wenn Sie eine Fehlentscheidung vermuten?

Moovel lässt uns eine Menge Freiraum und wir sind in der glücklichen Lage, dass wir wichtige Entscheidungen in enger Absprache mit moovel treffen. Fehlentscheidungen gibt es natürlich immer wieder und gehören einfach zu einem neuen Business-Modell dazu. Diese habe allerdings ich zu verantworten und sind überwiegend keine von meinen jetzigen oder bisherigen Shareholdern.

Wie gehen die Mitarbeiter mit dieser Phase um?​ Sehen die Sie schon als Lame Duck?

Als Lame Duck wurde ich noch nie bezeichnet. Da ich aber wie schon beschrieben nach wie vor sehr aktiv im Tagesgeschäft stecke, an Meetings teilnehme und mytaxi nach außen hin als Gründer und CEO vertrete, trifft das auch nicht zu. Dazu müsste allerdings fairerweise eher mein Team befragt werden.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, wie soll es nach MyTaxi weitergehen?

Ich beabsichtige noch lange bei mytaxi zu sein und das Geschäft auszubauen. In diesem Jahr haben wir sehr ehrgeizige Wachstumspläne. Am Ende des Jahres soll es mytaxi in einer Menge neuer Städte und Länder geben. Darauf konzentriere und fokussiere ich mich voll und ganz.

Herr Mewes, vielen Dank für das Gespräch.

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Niclaus Mewes ist Gründer und Geschäftsführer der Taxivermittlung mytaxi. Im September 2014 verkaufte der Unternehmer die Taxi-App jedoch an die Daimler-Tochter Moovel. Ein klassischer Exit. Mewes ist immer noch an Bord, nur eben nicht mehr im eigenen Unternehmen. Wir wollten daher wissen: Wie ist das so sein Unternehmen zu verkaufen?
Niclaus Mewes (© 2015 )

Herr Mewes, Sie haben vor kurzem Ihr Unternehmen mytaxi an die Daimler-Tochter Moovel verkauft. Ist Ihnen das leicht gefallen?

Überhaupt nicht. mytaxi ist das Baby von mir und meinem Mitgründer Sven Külper. Wir haben sehr viel Herzblut, Schweiß und Energie in den Aufbau von mytaxi gesteckt. Ich kenne alle Mitarbeiter nach wie vor persönlich und übrigens auch eine Menge der angeschlossenen Taxifahrer. Wir haben lange überlegt, ob jetzt bereits der richtige Zeitpunkt für den Verkauf ist und haben uns dann für den Verkauf entschieden, weil moovel als Pionier im Bereich innovativer Mobilitätsdienstleister unserer Ansicht nach ein perfekter Partner war und ist. Für uns bedeutete dieser Schritt, dass wir unserer Vision, Europas größte und beste Taxi-App zu sein - leichter und schneller verwirklichen können. Darum hat der Verkauf einfach Sinn gehabt. Ich bereue den Schritt keine Sekunde, weil ich sicher bin, dass es die beste Entscheidung für eine positive Zukunft von mytaxi und unserem Team ist.

Sicher hilft einem die Aussicht auf einen finanziellen Ausgleich. Das Unternehmen, die Kollegen, die Geschäftsbeziehungen - das wächst einem doch irgendwie ans Herz, oder?

Mytaxi ist für mich mehr als nur eine Firma oder irgendein x-beliebiges Projekt. Es ist mein Baby auf das ich stolz bin. Im Laufe der Jahre sind gute Freundschaften mit einer Vielzahl von Mitarbeitern entstanden. Das gibt man nicht leichten Herzens auf. Aber das war auch nicht nötig, denn wir haben uns mit moovel darauf verständigt, dass beiden Firmen unabhängig von einander weitergeführt werden.

Wie muss man sich so einen professionellen und emotionalen Ablöseprozess vorstellen?

Der erfolgreiche Exit ist häufig der Wunschtraum von Gründern. Bei uns stand das aber nie im Mittelpunkt. Im Gegenteil. Die Aufbaujahre waren auf jeden Fall mit einer Menge Emotionen verbunden. Es wäre sicher etwas anderes, wenn wir einfach verkauft hätten, und das war es dann. Doch mit moovel haben wir einen Partner gefunden, der an die Zukunft von mytaxi glaubt und der die gleichen Ziele wie wir verfolgt. Darum hatte ich gar nicht das Gefühl, dass es einen Ablöseprozess gibt. Ich bin ja nach wie vor als CEO an Bord und darf die weitere Entwicklung mitbestimmen und vorantreiben.

Haben Sie sich dabei Unterstützung gesucht?

Nach vielen Investitionsrunden ist eigentlich jeder Gründer recht gut in diesen Themen drin. Darüber hinaus vereinfacht es natürlich, wenn der Käufer schon Gesellschafter war. Natürlich hatten wir eine Anwaltskanzlei, aber einen M&A-Berater hatten wir nicht.

Ihr Mitgründer und Partner hat das Unternehmen bereits verlassen. Fehlt einem da nicht ein wichtiger Sparring und Mitstreiter?

Es ist kein Geheimnis, dass Sven Külper und ich nicht nur Geschäftspartner waren, sondern auch gute Freunde und Cousins. Natürlich vermisse ich ihn, aber ich gönne ihm auch seine Auszeit, die er sich redlich verdient hat. Glücklicherweise haben wir ein starkes und kompetentes Management-Team. Die Lücke, die Sven hinterlassen hat, haben wir schnell gefüllt.

Nach dem Verkauf sind Sie vom Chef wieder zum Angestellten geworden, müssen nun wieder anderen - zumindest Übergangsweise - reporten. Ist Ihnen die Umstellung leicht gefallen?

Sogar sehr leicht. Auch wenn ich Gründer und CEO bin, habe ich stets auf Augenhöhe mit allen Mitarbeitern kommuniziert. Daran hat sich nichts geändert. Und reporten mussten wir auch schon an unsere Investoren. Es ist im Grunde genommen sogar einfacher geworden, weil wir nur noch an moovel berichten und nicht mehr an den großen Investorenkreis.

Als Nicht-mehr-Eigentümer müssen Sie hinnehmen, dass sich Ihr Baby im Zweifel anders entwickelt, als Sie das vielleicht gemacht oder gewollt hätten. Kommt da nicht vereinzelt Ärger auf - erst recht, wenn Sie eine Fehlentscheidung vermuten?

Moovel lässt uns eine Menge Freiraum und wir sind in der glücklichen Lage, dass wir wichtige Entscheidungen in enger Absprache mit moovel treffen. Fehlentscheidungen gibt es natürlich immer wieder und gehören einfach zu einem neuen Business-Modell dazu. Diese habe allerdings ich zu verantworten und sind überwiegend keine von meinen jetzigen oder bisherigen Shareholdern.

Wie gehen die Mitarbeiter mit dieser Phase um?​ Sehen die Sie schon als Lame Duck?

Als Lame Duck wurde ich noch nie bezeichnet. Da ich aber wie schon beschrieben nach wie vor sehr aktiv im Tagesgeschäft stecke, an Meetings teilnehme und mytaxi nach außen hin als Gründer und CEO vertrete, trifft das auch nicht zu. Dazu müsste allerdings fairerweise eher mein Team befragt werden.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, wie soll es nach MyTaxi weitergehen?

Ich beabsichtige noch lange bei mytaxi zu sein und das Geschäft auszubauen. In diesem Jahr haben wir sehr ehrgeizige Wachstumspläne. Am Ende des Jahres soll es mytaxi in einer Menge neuer Städte und Länder geben. Darauf konzentriere und fokussiere ich mich voll und ganz.

Herr Mewes, vielen Dank für das Gespräch.

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