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Spieltheorie: Wie Chefs mit Strategie Entscheidungen treffen

Für Wirtschaftswissenschaftler und Topmanager gehört die Spieltheorie längst zum alltäglichen Repertoire. Und Unternehmenslenker aus dem Mittelstand sollten sich daran unbedingt ein Beispiel nehmen. Denn Begriffe wie Gefangenendilemma und Nash-Gleichgewicht bieten handfeste Lösungen für schwierige Entscheidungsprobleme.
Spieltheorie: Wie Chefs mit Strategie Entscheidungen treffen Wie beim Schach stehen sich auch in der Wirtschaft oft zwei Konkurrenten gegenüber – und Manager können mit der Spieltheorie die Entscheidungen der Akteure voraussagen. (© 2016 Orla/Shutterstock)

Was ist die Spieltheorie?

Mehrere Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen haben einen Beitrag zur Spieltheorie geleistet, der US-amerikanische Mathematiker John Forbes Nash machte die Lehrsätze allerdings universell anwendbar. Dafür erhielt er 1994 schließlich den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Und sein Ansatz war – und ist – genial, denn Chefs können damit in realen Situationen bessere Entscheidungen treffen.

In der Spieltheorie geht es immer um Konfliktsituationen, beispielsweise wenn sich zwei Firmen gegenüberstehen, die sich dasselbe Marktsegment teilen. Beide Unternehmen treffen rationale Entscheidungen, um den bestmöglichen Ausgang für sich zu sichern – beispielsweise um mehr als der Konkurrent umzusetzen. Der Erfolg einer Partei hängt dabei aber immer von den Aktionen der anderen ab. Das heißt: Handelt ein Mitspieler, ergeben sich Konsequenzen für alle.

Oft werden sich die Akteure in solch einem wirtschaftlichen Szenario gegenseitig in eine Pattsituation bringen, in diesem Fall auch Nash-Gleichgewicht genannt. Ohne äußere Einflüsse wird voraussichtlich keiner der beiden den Status quo von sich aus stören.

Was ist das Gefangenendilemma?

Zur Erklärung der Spieltheorie wird oftmals das sogenannte Gefangenendilemma bemüht:

  • Zwei böse Buben (nennen wir sie Hans und Franz) wollen einen Juwelier ausrauben, werden aber von der Polizei gefasst. Auf dem Revier werden beide in ein Einzelverhörzimmer gesperrt. Nun werden sie vernommen und können ihren Komplizen entweder verraten oder schweigen.
  • Wenn beide dichthalten, muss jeder für fünf Jahre ins Gefängnis.
  • Denunziert Hans seinen Partner und schweigt Franz gleichzeitig, kommt Hans frei. Der Angeschwärzte muss aber für 20 Jahre hinter schwedische Gardinen.
  • Das gilt auch, wenn Franz Hans verpetzt.
  • Liefern Hans und Franz ihren jeweiligen Partner ans Messer, gehen beide für zehn Jahre ins Kittchen.

Wird das Nash-Gleichgewicht zurate gezogen, werden Hans und Franz sehr wahrscheinlich auf ihrem eigenen Vorteil beharren und eine Aussage machen. Beide landen für zehn Jahre in der Haftanstalt. Mit Schweigen wären die Verbrecher natürlich besser dran, jeder würde für fünf Jahre einsitzen, aber weder Hans noch Franz werden sich darauf verlassen, dass der andere schweigt. Ergo: Die Juwelendiebe handeln rational und egoistisch, obwohl eine Zusammenarbeit ein besseres Ergebnis zur Folge hätte.

Was fangen Sie mit der Spieltheorie an?

Die Spieltheorie, wen wundert es, klingt in diesen Grundzügen sehr abstrakt. Nichtsdestoweniger bringt die Anwendung der Denkweise Vorteile. Vereinfacht gesagt treffen Sie damit dezidierte Prognosen, wenn Sie vor schwierigen Entscheidungen stehen.

So finden Sie Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Welche Mitspieler gibt es in Ihrer augenblicklichen Situation? Um beim ersten Beispiel von oben zu bleiben, bestimmen Sie etwa, mit wem Sie um ein Marktsegment kämpfen. Neben Ihrer direkten Konkurrenz gibt es auf dem Spielfeld aber noch andere Akteure wie Kunden, Lieferanten, Hersteller und so weiter.
  • Nach welchen Regeln wird gespielt? Wenn Sie die Teilnehmer des Wettkampfes kennen, ermitteln Sie auch, welche Züge möglich sind. Ihr Konkurrent kann zum Beispiel die Preise erhöhen oder senken, ebenso ein Lieferant. Und Kunden entschließen sich, ein Produkt zu kaufen oder nicht.
  • Wer profitiert und wovon profitiert er? Sie erkennen dank der Spieltheorie, ob Ihr Gegenspieler überhaupt etwas davon hat, seinen Preis zu erhöhen. Denn vielleicht laufen ihm nach dem Schritt die Kunden weg. Gegebenenfalls nützt es Ihrem Kontrahenten viel mehr, wenn er die Kaufsumme seines Produktes senkt.

Trotzdem ist die Theorie keine Wunderlösung. In der Praxis gibt es nämlich oft so viele Personen und Gruppen auf dem wirtschaftlichen Spielfeld, das eine einhundertprozentig richtige Aussage über die Zukunft nicht möglich ist.

Welche Analyseschritte sollten Sie kennen?

Wenn Sie Ihre Situation anhand der Spieltheorie analysieren, werden Ihre Entscheidungen deutlich besser. Peter Lorange, CEO des Züricher Lorange Institute of Business, erklärt im "Spiegel", welche Schritte Sie gehen sollten:

  • Identifizieren Sie zunächst alle Beteiligten.
  • Bestimmen Sie, welcher Akteur welche Informationen hat.
  • Ergründen Sie, welche Entscheidungen die Akteure treffen können.

Mit diesen Punkten spielen Sie nun jede Variante der Situation durch, die Ihnen einfällt. So erkennen Sie etwa, wann sich Gegenspieler in einem Nash-Gleichgewicht befinden und wie es gegebenenfalls durchbrochen werden kann.

Weiterführende Links:

  • Die Grundlagen der Spieltheorie lassen sich zum Beispiel auf den Sport übertragen: Auf welche Torecke Fußballer beim Elfmeter zielen sollten, hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) errechnet.
  • Wie funktioniert die Spieltheorie? Einen Schnellkurs dazu gibt Professor Rudolf Taschner im "Deutschlandfunk".
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Spieltheorie: Wie Chefs mit Strategie Entscheidungen treffen Wie beim Schach stehen sich auch in der Wirtschaft oft zwei Konkurrenten gegenüber – und Manager können mit der Spieltheorie die Entscheidungen der Akteure voraussagen. (© 2016 Orla/Shutterstock)

Was ist die Spieltheorie?

Mehrere Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen haben einen Beitrag zur Spieltheorie geleistet, der US-amerikanische Mathematiker John Forbes Nash machte die Lehrsätze allerdings universell anwendbar. Dafür erhielt er 1994 schließlich den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Und sein Ansatz war – und ist – genial, denn Chefs können damit in realen Situationen bessere Entscheidungen treffen.

In der Spieltheorie geht es immer um Konfliktsituationen, beispielsweise wenn sich zwei Firmen gegenüberstehen, die sich dasselbe Marktsegment teilen. Beide Unternehmen treffen rationale Entscheidungen, um den bestmöglichen Ausgang für sich zu sichern – beispielsweise um mehr als der Konkurrent umzusetzen. Der Erfolg einer Partei hängt dabei aber immer von den Aktionen der anderen ab. Das heißt: Handelt ein Mitspieler, ergeben sich Konsequenzen für alle.

Oft werden sich die Akteure in solch einem wirtschaftlichen Szenario gegenseitig in eine Pattsituation bringen, in diesem Fall auch Nash-Gleichgewicht genannt. Ohne äußere Einflüsse wird voraussichtlich keiner der beiden den Status quo von sich aus stören.

Was ist das Gefangenendilemma?

Zur Erklärung der Spieltheorie wird oftmals das sogenannte Gefangenendilemma bemüht:

  • Zwei böse Buben (nennen wir sie Hans und Franz) wollen einen Juwelier ausrauben, werden aber von der Polizei gefasst. Auf dem Revier werden beide in ein Einzelverhörzimmer gesperrt. Nun werden sie vernommen und können ihren Komplizen entweder verraten oder schweigen.
  • Wenn beide dichthalten, muss jeder für fünf Jahre ins Gefängnis.
  • Denunziert Hans seinen Partner und schweigt Franz gleichzeitig, kommt Hans frei. Der Angeschwärzte muss aber für 20 Jahre hinter schwedische Gardinen.
  • Das gilt auch, wenn Franz Hans verpetzt.
  • Liefern Hans und Franz ihren jeweiligen Partner ans Messer, gehen beide für zehn Jahre ins Kittchen.

Wird das Nash-Gleichgewicht zurate gezogen, werden Hans und Franz sehr wahrscheinlich auf ihrem eigenen Vorteil beharren und eine Aussage machen. Beide landen für zehn Jahre in der Haftanstalt. Mit Schweigen wären die Verbrecher natürlich besser dran, jeder würde für fünf Jahre einsitzen, aber weder Hans noch Franz werden sich darauf verlassen, dass der andere schweigt. Ergo: Die Juwelendiebe handeln rational und egoistisch, obwohl eine Zusammenarbeit ein besseres Ergebnis zur Folge hätte.

Was fangen Sie mit der Spieltheorie an?

Die Spieltheorie, wen wundert es, klingt in diesen Grundzügen sehr abstrakt. Nichtsdestoweniger bringt die Anwendung der Denkweise Vorteile. Vereinfacht gesagt treffen Sie damit dezidierte Prognosen, wenn Sie vor schwierigen Entscheidungen stehen.

So finden Sie Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Welche Mitspieler gibt es in Ihrer augenblicklichen Situation? Um beim ersten Beispiel von oben zu bleiben, bestimmen Sie etwa, mit wem Sie um ein Marktsegment kämpfen. Neben Ihrer direkten Konkurrenz gibt es auf dem Spielfeld aber noch andere Akteure wie Kunden, Lieferanten, Hersteller und so weiter.
  • Nach welchen Regeln wird gespielt? Wenn Sie die Teilnehmer des Wettkampfes kennen, ermitteln Sie auch, welche Züge möglich sind. Ihr Konkurrent kann zum Beispiel die Preise erhöhen oder senken, ebenso ein Lieferant. Und Kunden entschließen sich, ein Produkt zu kaufen oder nicht.
  • Wer profitiert und wovon profitiert er? Sie erkennen dank der Spieltheorie, ob Ihr Gegenspieler überhaupt etwas davon hat, seinen Preis zu erhöhen. Denn vielleicht laufen ihm nach dem Schritt die Kunden weg. Gegebenenfalls nützt es Ihrem Kontrahenten viel mehr, wenn er die Kaufsumme seines Produktes senkt.

Trotzdem ist die Theorie keine Wunderlösung. In der Praxis gibt es nämlich oft so viele Personen und Gruppen auf dem wirtschaftlichen Spielfeld, das eine einhundertprozentig richtige Aussage über die Zukunft nicht möglich ist.

Welche Analyseschritte sollten Sie kennen?

Wenn Sie Ihre Situation anhand der Spieltheorie analysieren, werden Ihre Entscheidungen deutlich besser. Peter Lorange, CEO des Züricher Lorange Institute of Business, erklärt im "Spiegel", welche Schritte Sie gehen sollten:

  • Identifizieren Sie zunächst alle Beteiligten.
  • Bestimmen Sie, welcher Akteur welche Informationen hat.
  • Ergründen Sie, welche Entscheidungen die Akteure treffen können.

Mit diesen Punkten spielen Sie nun jede Variante der Situation durch, die Ihnen einfällt. So erkennen Sie etwa, wann sich Gegenspieler in einem Nash-Gleichgewicht befinden und wie es gegebenenfalls durchbrochen werden kann.

Weiterführende Links:

  • Die Grundlagen der Spieltheorie lassen sich zum Beispiel auf den Sport übertragen: Auf welche Torecke Fußballer beim Elfmeter zielen sollten, hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) errechnet.
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