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Bloggender Maler: 600.000 Euro Umsatz mit Social Media

Matthias Schultze ist Familienunternehmer, Vollblut-Macher und Internetaktivist der ersten Stunde. Den Beruf des Malers & Lackierers hat er von der Pike auf gelernt, heute führt er ein 25-köpfiges Team und coacht und begleitet als Social Media Manager (IHK) KMU´s auf den Weg in die Digitalisierung. Seit 2010 bloggt er - mit wachsendem Erfolg. Wie macht er das?
Matthias Schultze, Malermeister Der Malermeister Matthias Schultze bloggt selbst - und hat damit großen Erfolg (© 2015 Michael Siebert)

Herr Schultze, Sie bloggen, facebooken, twittern seit 2010. Wie hat sich Ihr Geschäft dadurch verändert?

Eine Menge. Heute weiß ich, dass es einer der wichtigsten Schritte und Entscheidungen war, diesen Teil der digitalen Transformation zu starten. Die großartigen Möglichkeiten der bidirektionalen Kommunikation hat uns entscheidende Vorteile zur positiven Entwicklung unseres Unternehmens gebracht. Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Expertenstatus, Wunschkundenfindung und stabile Zukunftsplanungen haben sich enorm verbessert und unser Image und Bekanntheitsgrad ist sehr stark gestiegen.

Sie machen das noch immer alles selber? Wie viel Zeit nehmen Sie sich dafür?

Ja, mache ich. Anfänglich waren es ein bis zwei Stunden die Woche, um Ziele und Analysen zu erarbeiten. Zwischenzeitlich waren es sogar einmal vier Stunden täglich, um strategisch Inhalte, Ideen, Bilder und Storys zu sammeln, Artikel zu schreiben und unser Tun im Netz auszuwerten. Mittlerweile reichen mir nach den vielen Jahren wieder zwei Stunden täglich. Mein Motto ist: Wenn es in dir brennt, musst du Dinge tun. Andere werden es nie verstehen, aber wenn es in dir brennt, lebst du.

Lohnt sich der Aufwand denn auch finanziell?

Sagen wir es so: Ich kann es mir heute nicht mehr leisten, kein Internetmarketing und Social Media Marketing zu betreiben. Ein durchaus spannendes Thema, wenn man bedenkt, wie Kunden heute nach Dienstleistungen suchen. Für uns hat es sich mehr als gelohnt, denn ohne diese wichtige Unternehmensentscheidung, würde es uns heute so nicht geben. Der harte Marktkampf hätte mich dazu getrieben, das Unternehmen zu schließen. Im Jahr 2014 haben wir es aber geschafft, 600.000 Euro Umsatz allein auf diesem Weg einzufahren. Ein einmaliges Ergebnis im Handwerk deutschlandweit.

Wie gehen Sie dabei mit Kritik oder Fehlern um? Die werden damit per Kommentar ja ebenfalls öffentlich...

Eines der größten Geschenke ist es doch, durch das Sichtbarmachen von Fehlern und dem gesunden Umgang in Wort und Schrift daraus zu lernen und zu wachsen. Wir begrüßen konstruktive Kritik sehr, denn wir können nicht alles wissen und machen garantiert nicht alles fehlerfrei. Wir freuen uns immer, wenn wir die Chance bekommen, aus Fehlern zu lernen. Wenn Kunden und Fans es öffentlich machen, dann nehmen wir dankend dazu Stellung. Jeder kann unsere Herangehensweise erkennen und damit steigt auch unser Ansehen und Image. Nobodys perfect.

Und wie reagieren Ihre Kunden darauf auf die öffentliche Schelte?

Überwiegend wertschätzend und begeistert. Wo kann sich ein Kunde im Vorfeld über so wichtige Themen informieren, bevor eine Dienstleistung eingekauft wird? Schon lange ist nicht mehr der Preis primär entscheidend, sondern Werte, Zuverlässigkeit und Informationen um die Dienstleistung herum. Menschen wollen Authentizität und ein Zugehörigkeitsgefühl spüren und wissen, wie eine Firma im Falle eines Fehlers reagiert. Diese Softfacts sind viel wichtiger, als klassische Hardfacts. Durch authentische Social Media Kommunikation und dem Erzählen von echten Geschichten aus dem Unternehmen heraus schaffen wir genau dadurch Bindung und Anziehungskraft.

Haben Sie eigentlich noch Nachwuchssorgen wie so viele Handwerksbetriebe?

Ja und Nein. Es ist uns gelungen, die besten Experten in den vergangenen drei Jahren zu uns zu holen. Und das ausschließlich durch unsere Internet- und Blogseiten, die stark dafür sorgen, dass sich Menschen darüber schlau machen, wie wir ticken, wie wir im Team arbeiten und unsere Mitarbeiter sehr stark in den Fokus stellen. Nachwuchssorgen haben wir aber dennoch, wie viele andere auch. Aber wir schreiben darüber und gehen offen in den Dialog. Dadurch erhalten wir wesentlich mehr Anfragen von Bewerbern, als unser Wettbewerb. Das Problem ist, die Richtigen zu finden. Hier mangelt es oft an elementaren Grundlagen und die sind nicht durch Social Media zu egalisieren. Hier hapert es an anderer Stelle.

Warum folgen Ihrem Beispiel noch immer so wenige Handwerker?

Weil sie wenig Verständnis dafür aufbringen und das fehlende Wissen mit althergebrachten Weisheiten vom Tisch wischen. Schlichtweg ist es Angst vor der Veränderung, doch das wird vielen bald zum Verhängnis werden.

Was würden Sie Ihren Kollegen raten, die Ihr Geschäft ebenfalls digitalisieren wollen?

Ziele definieren, Expertenrat einholen und strategisch daran festhalten, es Schritt für Schritt zu realisieren. Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, dann empfehle ich, nicht mehr lange zu warten. Der Vorsprung wird sich in zwei Jahren deutlich auszahlen. Wer den Zug aber jetzt verpasst, wird in fünf Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig sein und wird sich damit beschäftigen müssen, sich allein über den Preis zu definieren. Ein Teufelskreis, mit traurigem Ende.

Herr Schultze, danke für das Gespräch.

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Matthias Schultze, Malermeister Der Malermeister Matthias Schultze bloggt selbst - und hat damit großen Erfolg (© 2015 Michael Siebert)

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Eine Menge. Heute weiß ich, dass es einer der wichtigsten Schritte und Entscheidungen war, diesen Teil der digitalen Transformation zu starten. Die großartigen Möglichkeiten der bidirektionalen Kommunikation hat uns entscheidende Vorteile zur positiven Entwicklung unseres Unternehmens gebracht. Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Expertenstatus, Wunschkundenfindung und stabile Zukunftsplanungen haben sich enorm verbessert und unser Image und Bekanntheitsgrad ist sehr stark gestiegen.

Sie machen das noch immer alles selber? Wie viel Zeit nehmen Sie sich dafür?

Ja, mache ich. Anfänglich waren es ein bis zwei Stunden die Woche, um Ziele und Analysen zu erarbeiten. Zwischenzeitlich waren es sogar einmal vier Stunden täglich, um strategisch Inhalte, Ideen, Bilder und Storys zu sammeln, Artikel zu schreiben und unser Tun im Netz auszuwerten. Mittlerweile reichen mir nach den vielen Jahren wieder zwei Stunden täglich. Mein Motto ist: Wenn es in dir brennt, musst du Dinge tun. Andere werden es nie verstehen, aber wenn es in dir brennt, lebst du.

Lohnt sich der Aufwand denn auch finanziell?

Sagen wir es so: Ich kann es mir heute nicht mehr leisten, kein Internetmarketing und Social Media Marketing zu betreiben. Ein durchaus spannendes Thema, wenn man bedenkt, wie Kunden heute nach Dienstleistungen suchen. Für uns hat es sich mehr als gelohnt, denn ohne diese wichtige Unternehmensentscheidung, würde es uns heute so nicht geben. Der harte Marktkampf hätte mich dazu getrieben, das Unternehmen zu schließen. Im Jahr 2014 haben wir es aber geschafft, 600.000 Euro Umsatz allein auf diesem Weg einzufahren. Ein einmaliges Ergebnis im Handwerk deutschlandweit.

Wie gehen Sie dabei mit Kritik oder Fehlern um? Die werden damit per Kommentar ja ebenfalls öffentlich...

Eines der größten Geschenke ist es doch, durch das Sichtbarmachen von Fehlern und dem gesunden Umgang in Wort und Schrift daraus zu lernen und zu wachsen. Wir begrüßen konstruktive Kritik sehr, denn wir können nicht alles wissen und machen garantiert nicht alles fehlerfrei. Wir freuen uns immer, wenn wir die Chance bekommen, aus Fehlern zu lernen. Wenn Kunden und Fans es öffentlich machen, dann nehmen wir dankend dazu Stellung. Jeder kann unsere Herangehensweise erkennen und damit steigt auch unser Ansehen und Image. Nobodys perfect.

Und wie reagieren Ihre Kunden darauf auf die öffentliche Schelte?

Überwiegend wertschätzend und begeistert. Wo kann sich ein Kunde im Vorfeld über so wichtige Themen informieren, bevor eine Dienstleistung eingekauft wird? Schon lange ist nicht mehr der Preis primär entscheidend, sondern Werte, Zuverlässigkeit und Informationen um die Dienstleistung herum. Menschen wollen Authentizität und ein Zugehörigkeitsgefühl spüren und wissen, wie eine Firma im Falle eines Fehlers reagiert. Diese Softfacts sind viel wichtiger, als klassische Hardfacts. Durch authentische Social Media Kommunikation und dem Erzählen von echten Geschichten aus dem Unternehmen heraus schaffen wir genau dadurch Bindung und Anziehungskraft.

Haben Sie eigentlich noch Nachwuchssorgen wie so viele Handwerksbetriebe?

Ja und Nein. Es ist uns gelungen, die besten Experten in den vergangenen drei Jahren zu uns zu holen. Und das ausschließlich durch unsere Internet- und Blogseiten, die stark dafür sorgen, dass sich Menschen darüber schlau machen, wie wir ticken, wie wir im Team arbeiten und unsere Mitarbeiter sehr stark in den Fokus stellen. Nachwuchssorgen haben wir aber dennoch, wie viele andere auch. Aber wir schreiben darüber und gehen offen in den Dialog. Dadurch erhalten wir wesentlich mehr Anfragen von Bewerbern, als unser Wettbewerb. Das Problem ist, die Richtigen zu finden. Hier mangelt es oft an elementaren Grundlagen und die sind nicht durch Social Media zu egalisieren. Hier hapert es an anderer Stelle.

Warum folgen Ihrem Beispiel noch immer so wenige Handwerker?

Weil sie wenig Verständnis dafür aufbringen und das fehlende Wissen mit althergebrachten Weisheiten vom Tisch wischen. Schlichtweg ist es Angst vor der Veränderung, doch das wird vielen bald zum Verhängnis werden.

Was würden Sie Ihren Kollegen raten, die Ihr Geschäft ebenfalls digitalisieren wollen?

Ziele definieren, Expertenrat einholen und strategisch daran festhalten, es Schritt für Schritt zu realisieren. Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, dann empfehle ich, nicht mehr lange zu warten. Der Vorsprung wird sich in zwei Jahren deutlich auszahlen. Wer den Zug aber jetzt verpasst, wird in fünf Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig sein und wird sich damit beschäftigen müssen, sich allein über den Preis zu definieren. Ein Teufelskreis, mit traurigem Ende.

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