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Verweildauer: "Immer ein bisschen länger als die Konkurrenz"

Wenn es um Suchmaschinen-Optimierung, kurz SEO, geht, denken die meisten zuerst an Reichweite und Aufmerksamkeit. Vielleicht auch das derzeit gehypte Content Marketing. Alles nicht falsch, aber kaum jemand denkt dabei zuerst an das, was jeder ganz leicht selbst beeinflussen kann: Die Optimierung der eigenen Website - und damit vor allem die sogenannte Verweildauer.
Verweildauer: "Immer ein bisschen länger als die Konkurrenz" Christian Tembrink, Geschäftsführer von Netspirits in Köln: "Die Verweildauer ist ein wesentlicher SEO-Treiber." (© 2015 )

Christian Tembrink, Geschäftsführer von Netspirits in Köln: "Die Verweildauer ist ein wesentlicher SEO-Treiber."

Wie viel Zeit verbringen die Nutzer auf der Seite?

Im klassischen SEO bezeichnet der Begriff die Zeitspanne, die zwischen dem Klick auf ein Google Suchergebnis und der erneuten Rückkehr zur Google-Suche verstreicht. Google erfasst also bei jeder Suchabfrage die Zeitspanne zwischen dem Klick eines Nutzers auf das Suchergebnis und der Rückkehr zu Google und damit einer neuen Suche - oder eben die Zeit, die Besucher auf der eigenen Website verbringen.

Kunden oder Besucher dort länger zu halten, ist nicht nur ein veritabler Treiber für mehr Umsatz. Der Faktor selbst gewinnt bei Suchmaschinen immer mehr Relevanz. Wir haben daher den Kölner SEO-Experten und Geschäftsführer der SEO- und Online-Marketing-Agentur Netspirits, Christian Tembrink, gefragt, wie das gelingen kann. Seine Tricks verrät er im folgenden Interview...

Herr Tembrink, wie SEO-relevant ist die Verweildauer inzwischen?

Sehr wichtig. Und sie wird ein immer wichtigerer Ranking Faktor. Für Google ist das ein wichtiger Indikator für die Qualität der Zielseite. Sucht ein Nutzer etwa nach - Schönes Familienhotel auf Mallorca direkt am Strand - zeigt Google ihm, neben bezahlten Werbeanzeigen, zehn sogenannte organische Webseitentreffer an. Angenommen, der Nutzer klickt auf die auf Platz 1 präsentierte Website, merkt aber schnell, dass die Seite nicht dem gewünschten Suchergebnis entspricht, wird er die Seite nach kurzer Zeit wieder verlassen - und versucht sein Glück erneut, wahrscheinlich mit einem Klick auf den 2 Platz. Bietet ihm diese Seite genau die gewünschten Informationen, bleibt er dort länger. Google registriert das - und verhalten sich zahlreiche Nutzer so, wird das Ranking der beiden Websites auch recht bald getauscht: Das Nutzerverhalten sorgt also dafür, dass die Website, die zuerst auf Platz 2 war fortan an erster Stelle gelistet wird.

Gibt es denn Tricks, um die Zeit, die Kunden oder Nutzer auf einer Website verbringen, positiv zu beeinflussen?

Natürlich gibt es Methoden und Werkzeuge, um die Verweildauer zu steigern. Zu allererst muss das Layout, der Aufbau und die Usability einer Website zeitgemäß sein und für die Zielgruppe verständlich. Schriftgrößen, Farb- und Formverteilung und Kontraste wie auch der Bildeinsatz sind nur einige Elemente, mit denen ich direkt ein Gutes Gefühl beim Nutzer erzeugen kann. Das legt den Grundstein für einen längeren Website-Besuch. Mein zusätzlicher Tipp: Prüfen Sie mit dem Tool Eyequant.de, wo die Augen eines Betrachters beim ersten Aufruf der Website hängen bleiben. An diesen Stellen sollten Mehrwert stiftende Informationen und auch eine klare Handlungsaufforderung platziert sein, die den Nutzer weiter in den Content der Seite hineinzieht. Die Verweildauer kann dann durch stetige Optimierung der Nutzerführung erhöht werden. Ein weiteres gutes Tool, um solche A/B-Tests pragmatisch und ohne große Kosten selbst voranzutreiben ist Marketizator.de.

Spielen Videos dabei auch eine Rolle?

Oh ja. Bin ich der einzige Website-Betreiber, der auf der Landingpage ein Video präsentiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Nutzer auf meiner Seite länger bleiben, als auf der der Mitbewerber. Übrigens aus einem ganz einfachen Grund: Der Nutzer schaut sich das Video - vorausgesetzt, es ist in der Seite prominent eingebunden - erst einmal an. Und damit verstreicht Zeit, die bei meiner Konkurrenz nicht verstreicht. Auch der gezielte Einsatz von Bildern und PDF-Downloads kann so dazu beitragen, die Verweildauer zu verlängern.

Da die Seitenbetreiber den Großteil ihres Traffics von Suchmaschinen beziehen, spielen vermutlich auch Überschriften und Snippet-Texte eine wichtige Rolle?

Snippets sind die Türschilder einer Website. Verspricht mir der Kurztext bei Google etwas, was die Landeseite dann nicht halten kann, habe ich meinen Job nicht gut gemacht. In vielen Fällen, insbesondere bei großen Websites, werden die Snippets automatisiert erstellt. Fehler! Dadurch können Inhalte erzeugt werden, die dem Nutzer nicht wirklich das verraten, was die zugehörige Zielseite bietet. Damit sind hohe Absprungraten beziehungsweise kurze Verweilzeiten programmiert.

Wie sollte man Suchmaschinenbesucher dann führen?

Die 1a + Sternchen-Lösung ist, dass ich exakt analysiert habe, bei welcher Suchabfrage meine Website bei Google prominent auffindbar werden soll. Passend zur Intention der Suche - Informationssuche, Preisvergleichssuche oder Suche nach Rabatten - sollte dann eine Kombination aus Seitentitel und Meta-Description getextet werden, die zur Intention des Suchenden passt. Perfekt, wenn hier auch schon direkt eine Handlungsaufforderung und Mehrwert mit eingebracht werden kann. Damit nichts versprochen wird, was die Zielseite nicht halten kann, müssen alle Versprechen, die im Snippet gemacht werden, auch direkt im sichtbaren Bereich der Zielseite auffindbar sein. Konkretes Beispiel: Verpreche ich "gratis 24 Stunden Sofortversand", sollte das auch auf der Zielseite direkt sichtbar sein.

Was ist denn mit den Stammkunden und -lesern. Die kennen eine Seite schließlich schon sehr genau. Lässt sich deren Verweildauer auch steigern?

Klar. Wichtig ist hierbei natürlich, dass nicht künstlich versucht wird, die Nutzer länger auf der Seite zu halten. Anlass sollte für den Nutzer immer nur der gebotene Mehrwert sein. So kann etwa durch Interaktionselemente - Fragen an den Nutzer, kleine Spielchen - auch der Stammleser involviert und dadurch länger gehalten werden. Die Aufforderung, einen Kommentar zu schreiben, kleine Umfragen - all das sind Handlungen, die den Besuch verlängern können und dem Nutzer zudem einen Mehrwert bieten. Was hingegen tunlichst vermieden werden sollte: eine Website absichtlich unübersichtlich zu gestalten, damit die Nutzer möglichst lange suchen, um die gewünschten Inhalte zu finden. Das ist Quatsch. Auf lange Sicht vergrault man so nur Besucher und reduziert die Stammleserschaft.

Was wäre denn eine gute Verweildauer - oder anders gefragt: Wie lange ist lange genug?

Das ist natürlich immer abhängig vom Thema und der Suchabfrage. Es gibt Suchabfragen, bei denen nur sehr kurze Verweildauern zu erwarten sind - zum Beispiel Wetter- und Sportergebnisse. Hier impliziert die Suchabfrage, dass ich als Nutzer nur schnell eine Information haben mšchte. Andere Suchabfragen wie die nach Kochrezepten lassen auf viel längere Verweilzeiten schließen, da ich das Rezept ja erstmal in Ruhe lesen muss. Als Faustregel im Online-Marketing gilt: Die Verweildauer auf meiner Seite muss immer ein kleines bisschen länger sein als die auf den Seiten der Konkurrenten.

Gibt es aus Ihrer Sicht Seiten, die die Nutzerführung und Verweildauer optimal gelöst haben? Was lässt sich daraus lernen?

Da fällt mir spontan eine eigene Suche aus dem Dezember ein: Damals habe ich nach Weihnachtsgeschenken gesucht. Auf Platz 1 bei Google war diese Seite. Dabei handelt es sich nicht um die fünftausendste Weihnachtsgeschenk-Übersicht. Stattdessen wird der Nutzer direkt in eine Interaktion gezogen: Er kann Filter für den Geschenkempfänger setzen oder direkt Geschenkkategorien auswählen. Damit wird das Suchbedürfnis befriedigt, und ich verweile viel länger auf der Seite. Nicht umsonst ist diese Website bei diesem hart umkämpften Keyword auf Platz 1.

Gibt es Tools im Internet, mit denen man seine Seite prüfen und optimieren kann?

Google Analytics und die Daten aus den Webmaster-Tools sind richtig hilfreiche Werkzeuge, um Snippets zu optimieren und Seiten mit schlechter Verweildauer zu identifizieren. Wie oben bereits erwähnt, bietet dann die Software von Eyequant tolle Möglichkeiten, die Nutzerwahrnehmung der eigenen Website zu überprüfen. So werden Schwachstellen aufgedeckt, die dann Schritt für Schritt optimiert werden können.

Okay, zum Schluss noch mal konkret: Welche drei wichtigsten Schritte empfehlen Sie als SEO-Experte Seitenbetreibern, um schnelle und positive Ergebnisse zu erzielen?

Erstens, in Google Analytics Seiten herausfiltern, die SEO-Traffic bringen, aber nur kurze Verweildauer aufweisen. Eben alles unter zehn Sekunden. Zweitens, die Snippets dieser Seiten mit einer einfachen Site-Abfrage überprüfen. Also etwa: site:www.Ihre-Seite.de/kurze-Verweildauer. Sind die Snippets bereits gut getextet? Verraten die Snippets was den Nutzer auf der Zielseite erwartet? Diese Seiten dann mit Eyequant prüfen, um zu verstehen, wo die Augen der Betrachter hinschauen. Es lohnt sich auch die Zielseiten der Wettbewerber mit der eigenen zu vergleichen und zu schauen, was die besser machen. Drittens, dafür sorgen, dass die Augen der Nutzer auf relevante Informationen gelenkt werden und dass klare Handlungsaufforderungen integriert werden.

Herr Tembrink, Danke für das Interview.

Über Christian Tembrink:

Christian Tembrink gehört zu den führenden Spezialisten für Kommunikation im Online-Marketing. Als Gründer von netspirits im Jahr 2007 entwickelte er schon einige erfolgreiche Online-Strategien für namhafte Marken wie die Deutsche Welle, den Bader Versand oder Bayer HealthCare. Im Bereich SEO gilt er als Vordenker - insbesondere bei der Strategie-Entwicklung von Online-Video-Marketing-Kampagnen.

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Wenn es um Suchmaschinen-Optimierung, kurz SEO, geht, denken die meisten zuerst an Reichweite und Aufmerksamkeit. Vielleicht auch das derzeit gehypte Content Marketing. Alles nicht falsch, aber kaum jemand denkt dabei zuerst an das, was jeder ganz leicht selbst beeinflussen kann: Die Optimierung der eigenen Website - und damit vor allem die sogenannte Verweildauer.
Verweildauer: "Immer ein bisschen länger als die Konkurrenz" Christian Tembrink, Geschäftsführer von Netspirits in Köln: "Die Verweildauer ist ein wesentlicher SEO-Treiber." (© 2015 )

Christian Tembrink, Geschäftsführer von Netspirits in Köln: "Die Verweildauer ist ein wesentlicher SEO-Treiber."

Wie viel Zeit verbringen die Nutzer auf der Seite?

Im klassischen SEO bezeichnet der Begriff die Zeitspanne, die zwischen dem Klick auf ein Google Suchergebnis und der erneuten Rückkehr zur Google-Suche verstreicht. Google erfasst also bei jeder Suchabfrage die Zeitspanne zwischen dem Klick eines Nutzers auf das Suchergebnis und der Rückkehr zu Google und damit einer neuen Suche - oder eben die Zeit, die Besucher auf der eigenen Website verbringen.

Kunden oder Besucher dort länger zu halten, ist nicht nur ein veritabler Treiber für mehr Umsatz. Der Faktor selbst gewinnt bei Suchmaschinen immer mehr Relevanz. Wir haben daher den Kölner SEO-Experten und Geschäftsführer der SEO- und Online-Marketing-Agentur Netspirits, Christian Tembrink, gefragt, wie das gelingen kann. Seine Tricks verrät er im folgenden Interview...

Herr Tembrink, wie SEO-relevant ist die Verweildauer inzwischen?

Sehr wichtig. Und sie wird ein immer wichtigerer Ranking Faktor. Für Google ist das ein wichtiger Indikator für die Qualität der Zielseite. Sucht ein Nutzer etwa nach - Schönes Familienhotel auf Mallorca direkt am Strand - zeigt Google ihm, neben bezahlten Werbeanzeigen, zehn sogenannte organische Webseitentreffer an. Angenommen, der Nutzer klickt auf die auf Platz 1 präsentierte Website, merkt aber schnell, dass die Seite nicht dem gewünschten Suchergebnis entspricht, wird er die Seite nach kurzer Zeit wieder verlassen - und versucht sein Glück erneut, wahrscheinlich mit einem Klick auf den 2 Platz. Bietet ihm diese Seite genau die gewünschten Informationen, bleibt er dort länger. Google registriert das - und verhalten sich zahlreiche Nutzer so, wird das Ranking der beiden Websites auch recht bald getauscht: Das Nutzerverhalten sorgt also dafür, dass die Website, die zuerst auf Platz 2 war fortan an erster Stelle gelistet wird.

Gibt es denn Tricks, um die Zeit, die Kunden oder Nutzer auf einer Website verbringen, positiv zu beeinflussen?

Natürlich gibt es Methoden und Werkzeuge, um die Verweildauer zu steigern. Zu allererst muss das Layout, der Aufbau und die Usability einer Website zeitgemäß sein und für die Zielgruppe verständlich. Schriftgrößen, Farb- und Formverteilung und Kontraste wie auch der Bildeinsatz sind nur einige Elemente, mit denen ich direkt ein Gutes Gefühl beim Nutzer erzeugen kann. Das legt den Grundstein für einen längeren Website-Besuch. Mein zusätzlicher Tipp: Prüfen Sie mit dem Tool Eyequant.de, wo die Augen eines Betrachters beim ersten Aufruf der Website hängen bleiben. An diesen Stellen sollten Mehrwert stiftende Informationen und auch eine klare Handlungsaufforderung platziert sein, die den Nutzer weiter in den Content der Seite hineinzieht. Die Verweildauer kann dann durch stetige Optimierung der Nutzerführung erhöht werden. Ein weiteres gutes Tool, um solche A/B-Tests pragmatisch und ohne große Kosten selbst voranzutreiben ist Marketizator.de.

Spielen Videos dabei auch eine Rolle?

Oh ja. Bin ich der einzige Website-Betreiber, der auf der Landingpage ein Video präsentiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Nutzer auf meiner Seite länger bleiben, als auf der der Mitbewerber. Übrigens aus einem ganz einfachen Grund: Der Nutzer schaut sich das Video - vorausgesetzt, es ist in der Seite prominent eingebunden - erst einmal an. Und damit verstreicht Zeit, die bei meiner Konkurrenz nicht verstreicht. Auch der gezielte Einsatz von Bildern und PDF-Downloads kann so dazu beitragen, die Verweildauer zu verlängern.

Da die Seitenbetreiber den Großteil ihres Traffics von Suchmaschinen beziehen, spielen vermutlich auch Überschriften und Snippet-Texte eine wichtige Rolle?

Snippets sind die Türschilder einer Website. Verspricht mir der Kurztext bei Google etwas, was die Landeseite dann nicht halten kann, habe ich meinen Job nicht gut gemacht. In vielen Fällen, insbesondere bei großen Websites, werden die Snippets automatisiert erstellt. Fehler! Dadurch können Inhalte erzeugt werden, die dem Nutzer nicht wirklich das verraten, was die zugehörige Zielseite bietet. Damit sind hohe Absprungraten beziehungsweise kurze Verweilzeiten programmiert.

Wie sollte man Suchmaschinenbesucher dann führen?

Die 1a + Sternchen-Lösung ist, dass ich exakt analysiert habe, bei welcher Suchabfrage meine Website bei Google prominent auffindbar werden soll. Passend zur Intention der Suche - Informationssuche, Preisvergleichssuche oder Suche nach Rabatten - sollte dann eine Kombination aus Seitentitel und Meta-Description getextet werden, die zur Intention des Suchenden passt. Perfekt, wenn hier auch schon direkt eine Handlungsaufforderung und Mehrwert mit eingebracht werden kann. Damit nichts versprochen wird, was die Zielseite nicht halten kann, müssen alle Versprechen, die im Snippet gemacht werden, auch direkt im sichtbaren Bereich der Zielseite auffindbar sein. Konkretes Beispiel: Verpreche ich "gratis 24 Stunden Sofortversand", sollte das auch auf der Zielseite direkt sichtbar sein.

Was ist denn mit den Stammkunden und -lesern. Die kennen eine Seite schließlich schon sehr genau. Lässt sich deren Verweildauer auch steigern?

Klar. Wichtig ist hierbei natürlich, dass nicht künstlich versucht wird, die Nutzer länger auf der Seite zu halten. Anlass sollte für den Nutzer immer nur der gebotene Mehrwert sein. So kann etwa durch Interaktionselemente - Fragen an den Nutzer, kleine Spielchen - auch der Stammleser involviert und dadurch länger gehalten werden. Die Aufforderung, einen Kommentar zu schreiben, kleine Umfragen - all das sind Handlungen, die den Besuch verlängern können und dem Nutzer zudem einen Mehrwert bieten. Was hingegen tunlichst vermieden werden sollte: eine Website absichtlich unübersichtlich zu gestalten, damit die Nutzer möglichst lange suchen, um die gewünschten Inhalte zu finden. Das ist Quatsch. Auf lange Sicht vergrault man so nur Besucher und reduziert die Stammleserschaft.

Was wäre denn eine gute Verweildauer - oder anders gefragt: Wie lange ist lange genug?

Das ist natürlich immer abhängig vom Thema und der Suchabfrage. Es gibt Suchabfragen, bei denen nur sehr kurze Verweildauern zu erwarten sind - zum Beispiel Wetter- und Sportergebnisse. Hier impliziert die Suchabfrage, dass ich als Nutzer nur schnell eine Information haben mšchte. Andere Suchabfragen wie die nach Kochrezepten lassen auf viel längere Verweilzeiten schließen, da ich das Rezept ja erstmal in Ruhe lesen muss. Als Faustregel im Online-Marketing gilt: Die Verweildauer auf meiner Seite muss immer ein kleines bisschen länger sein als die auf den Seiten der Konkurrenten.

Gibt es aus Ihrer Sicht Seiten, die die Nutzerführung und Verweildauer optimal gelöst haben? Was lässt sich daraus lernen?

Da fällt mir spontan eine eigene Suche aus dem Dezember ein: Damals habe ich nach Weihnachtsgeschenken gesucht. Auf Platz 1 bei Google war diese Seite. Dabei handelt es sich nicht um die fünftausendste Weihnachtsgeschenk-Übersicht. Stattdessen wird der Nutzer direkt in eine Interaktion gezogen: Er kann Filter für den Geschenkempfänger setzen oder direkt Geschenkkategorien auswählen. Damit wird das Suchbedürfnis befriedigt, und ich verweile viel länger auf der Seite. Nicht umsonst ist diese Website bei diesem hart umkämpften Keyword auf Platz 1.

Gibt es Tools im Internet, mit denen man seine Seite prüfen und optimieren kann?

Google Analytics und die Daten aus den Webmaster-Tools sind richtig hilfreiche Werkzeuge, um Snippets zu optimieren und Seiten mit schlechter Verweildauer zu identifizieren. Wie oben bereits erwähnt, bietet dann die Software von Eyequant tolle Möglichkeiten, die Nutzerwahrnehmung der eigenen Website zu überprüfen. So werden Schwachstellen aufgedeckt, die dann Schritt für Schritt optimiert werden können.

Okay, zum Schluss noch mal konkret: Welche drei wichtigsten Schritte empfehlen Sie als SEO-Experte Seitenbetreibern, um schnelle und positive Ergebnisse zu erzielen?

Erstens, in Google Analytics Seiten herausfiltern, die SEO-Traffic bringen, aber nur kurze Verweildauer aufweisen. Eben alles unter zehn Sekunden. Zweitens, die Snippets dieser Seiten mit einer einfachen Site-Abfrage überprüfen. Also etwa: site:www.Ihre-Seite.de/kurze-Verweildauer. Sind die Snippets bereits gut getextet? Verraten die Snippets was den Nutzer auf der Zielseite erwartet? Diese Seiten dann mit Eyequant prüfen, um zu verstehen, wo die Augen der Betrachter hinschauen. Es lohnt sich auch die Zielseiten der Wettbewerber mit der eigenen zu vergleichen und zu schauen, was die besser machen. Drittens, dafür sorgen, dass die Augen der Nutzer auf relevante Informationen gelenkt werden und dass klare Handlungsaufforderungen integriert werden.

Herr Tembrink, Danke für das Interview.

Über Christian Tembrink:

Christian Tembrink gehört zu den führenden Spezialisten für Kommunikation im Online-Marketing. Als Gründer von netspirits im Jahr 2007 entwickelte er schon einige erfolgreiche Online-Strategien für namhafte Marken wie die Deutsche Welle, den Bader Versand oder Bayer HealthCare. Im Bereich SEO gilt er als Vordenker - insbesondere bei der Strategie-Entwicklung von Online-Video-Marketing-Kampagnen.

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