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Working Capital: Eine Definition für Macher

Wie stark ist die Finanzkraft Ihres Unternehmens? Ein Teil der Antwort steckt im Working Capital, das zu den Bilanzkennzahlen gehört. Seine Definition lautet: Working Capital ist Umlaufvermögen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Bei der optimalen Höhe des Werts kommt es allerdings auf die Branche an.
Working Capital: Eine Definition für Macher Das Working Capital ist ein Indikator für die Liquidität eines Unternehmens. (© 2016 Thomas Klee/Shutterstock)

Working Capital ist nicht gleich Umlaufvermögen

Einen gängigen deutschsprachigen Begriff für Working Capital gibt es nicht. Am ehesten ist noch Netto-Umlaufvermögen gebräuchlich. Doch Vorsicht: Setzen Sie das Working Capital nicht mit dem Umlaufvermögen selbst gleich.

Denn das Umlaufvermögen beschreibt Werte, die dem Unternehmen in der Regel nur für kurze Zeit zur Verfügung stehen. Außerdem betrifft es ausschließlich die Aktivseite einer Bilanz. Das Working Capital hingegen bezieht auch die Passivseite mit ein, konkret die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Die Definition von Working Capital kennen Sie nun. Aber wie berechnen Sie das Netto-Umlaufvermögen Ihres Unternehmens? Relativ einfach. Zählen Sie zunächst folgende Vermögenspositionen zusammen:

  • Liquide Mittel (Kassenbestand, Bankguthaben, liquide Wertpapiere)
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • Vorräte
  • geleistete Anzahlungen

Davon ziehen Sie folgende Positionen ab:

  • kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • erhaltene Anzahlungen

Kurzfristige Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.

Working Capital am Beispiel berechnet

Schauen wir uns die Berechnung des Working Capital mal vereinfacht an einem fiktiven Unternehmen an:

Aktiva

  • Anlagevermögen, (zum Beispiel Maschinen): 400.000 Euro
  • Umlaufvermögen (etwa Vorräte, Forderungen, liquide Mittel): 200.000 Euro

Passiva

  • Eigenkapital: 300.000 Euro
  • Fremdkapital (Kredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen): 100.000 Euro

Die Definition von Working Capital lautet bekanntlich: Umlaufvermögen abzüglich kurzfristige Verbindlichkeiten. Im Beispiel also: 200.000 Euro minus 100.000 Euro ergibt 100.000 Euro.

Was sagt die Kennzahl über ein Unternehmen aus?

Vorweg: Das Ergebnis der Berechnung sollte positiv sein. Warum? Weil es zeigt, dass das Umlaufvermögen zumindest teilweise aus langfristig verfügbarem Kapital finanziert wird. Und das wiederum bedeutet: Das Unternehmen ist liquide und handlungsfähig.

Die Definition von Working Capital erlaubt auch einen negativen Wert. In diesem Fall reicht das Umlaufvermögen nicht aus, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Nicht nur verstößt ein negativer Wert gegen die goldene Bilanzregel. Schwerwiegender ist die Folge, dass das Unternehmen schnell in Liquiditätsschwierigkeiten geraten kann.

Die goldene Bilanzregel besagt, dass das Anlagevermögen mit Eigenkapital gedeckt sein muss und für das Umlaufvermögen Fremdkapital eingesetzt werden darf. Das Verhältnis von Eigenkapital zum Anlagevermögen ist im Idealfall also gleich oder größer als 1.

Je höher, umso besser?

Sie erinnern sich: Das Working Capital soll möglichst positiv sein. Aber auch nicht zu groß, denn das könnte auf folgende Schwierigkeiten hindeuten:

  • Das Unternehmen hat zu hohe Lagerbestände.
  • Die liquiden Mittel, also Kassenbestand und Bankguthaben, werden nicht sinnvoll verwendet.

Das Umlaufvermögen ist bei einem zu hohen Wert des Working Capital zu stark gebunden und wird nicht effizient genug eingesetzt.

Industrieunternehmen weisen in der Regel ein positives Working Capital aus. Ein Wert von 1,2 bis 2,0 wird meist als vorteilhaft angesehen. Handelsunternehmen hingegen haben auch schon mal ein negatives Working Capital. Allerdings ist ihr Geschäftsmodell auch ein ganz anderes. Sie sollten die Kennzahl also immer vor dem Hintergrund der Branche betrachten, in der das Unternehmen agiert.

Mit dem Working Capital arbeiten

Kennzahlen berechnen ist das eine, daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen, das andere. Beispielhaft sei hier nur eine Möglichkeit des Working Capital Management genannt: Vorräte und Lagerbestände vermindern Sie durch Bestandsoptimierung oder sogar Just-in-time-Fertigung. So setzen Sie ihr Kapital effizienter ein.

Die Definition von Working Capital lässt sich leicht merken. Auch die Bedeutung dieser ursprünglich aus dem amerikanischen Rechnungswesen stammenden Kennzahl ist einprägsam. Die Höhe des Working Capital ist ein Indikator für die Finanzkraft eines Unternehmens. Es muss jedoch immer im Kontext mit weiteren Kennzahlen und Informationen gesehen werden.

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Working Capital: Eine Definition für Macher Das Working Capital ist ein Indikator für die Liquidität eines Unternehmens. (© 2016 Thomas Klee/Shutterstock)

Working Capital ist nicht gleich Umlaufvermögen

Einen gängigen deutschsprachigen Begriff für Working Capital gibt es nicht. Am ehesten ist noch Netto-Umlaufvermögen gebräuchlich. Doch Vorsicht: Setzen Sie das Working Capital nicht mit dem Umlaufvermögen selbst gleich.

Denn das Umlaufvermögen beschreibt Werte, die dem Unternehmen in der Regel nur für kurze Zeit zur Verfügung stehen. Außerdem betrifft es ausschließlich die Aktivseite einer Bilanz. Das Working Capital hingegen bezieht auch die Passivseite mit ein, konkret die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Die Definition von Working Capital kennen Sie nun. Aber wie berechnen Sie das Netto-Umlaufvermögen Ihres Unternehmens? Relativ einfach. Zählen Sie zunächst folgende Vermögenspositionen zusammen:

  • Liquide Mittel (Kassenbestand, Bankguthaben, liquide Wertpapiere)
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • Vorräte
  • geleistete Anzahlungen

Davon ziehen Sie folgende Positionen ab:

  • kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • erhaltene Anzahlungen

Kurzfristige Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.

Working Capital am Beispiel berechnet

Schauen wir uns die Berechnung des Working Capital mal vereinfacht an einem fiktiven Unternehmen an:

Aktiva

  • Anlagevermögen, (zum Beispiel Maschinen): 400.000 Euro
  • Umlaufvermögen (etwa Vorräte, Forderungen, liquide Mittel): 200.000 Euro

Passiva

  • Eigenkapital: 300.000 Euro
  • Fremdkapital (Kredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen): 100.000 Euro

Die Definition von Working Capital lautet bekanntlich: Umlaufvermögen abzüglich kurzfristige Verbindlichkeiten. Im Beispiel also: 200.000 Euro minus 100.000 Euro ergibt 100.000 Euro.

Was sagt die Kennzahl über ein Unternehmen aus?

Vorweg: Das Ergebnis der Berechnung sollte positiv sein. Warum? Weil es zeigt, dass das Umlaufvermögen zumindest teilweise aus langfristig verfügbarem Kapital finanziert wird. Und das wiederum bedeutet: Das Unternehmen ist liquide und handlungsfähig.

Die Definition von Working Capital erlaubt auch einen negativen Wert. In diesem Fall reicht das Umlaufvermögen nicht aus, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Nicht nur verstößt ein negativer Wert gegen die goldene Bilanzregel. Schwerwiegender ist die Folge, dass das Unternehmen schnell in Liquiditätsschwierigkeiten geraten kann.

Die goldene Bilanzregel besagt, dass das Anlagevermögen mit Eigenkapital gedeckt sein muss und für das Umlaufvermögen Fremdkapital eingesetzt werden darf. Das Verhältnis von Eigenkapital zum Anlagevermögen ist im Idealfall also gleich oder größer als 1.

Je höher, umso besser?

Sie erinnern sich: Das Working Capital soll möglichst positiv sein. Aber auch nicht zu groß, denn das könnte auf folgende Schwierigkeiten hindeuten:

  • Das Unternehmen hat zu hohe Lagerbestände.
  • Die liquiden Mittel, also Kassenbestand und Bankguthaben, werden nicht sinnvoll verwendet.

Das Umlaufvermögen ist bei einem zu hohen Wert des Working Capital zu stark gebunden und wird nicht effizient genug eingesetzt.

Industrieunternehmen weisen in der Regel ein positives Working Capital aus. Ein Wert von 1,2 bis 2,0 wird meist als vorteilhaft angesehen. Handelsunternehmen hingegen haben auch schon mal ein negatives Working Capital. Allerdings ist ihr Geschäftsmodell auch ein ganz anderes. Sie sollten die Kennzahl also immer vor dem Hintergrund der Branche betrachten, in der das Unternehmen agiert.

Mit dem Working Capital arbeiten

Kennzahlen berechnen ist das eine, daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen, das andere. Beispielhaft sei hier nur eine Möglichkeit des Working Capital Management genannt: Vorräte und Lagerbestände vermindern Sie durch Bestandsoptimierung oder sogar Just-in-time-Fertigung. So setzen Sie ihr Kapital effizienter ein.

Die Definition von Working Capital lässt sich leicht merken. Auch die Bedeutung dieser ursprünglich aus dem amerikanischen Rechnungswesen stammenden Kennzahl ist einprägsam. Die Höhe des Working Capital ist ein Indikator für die Finanzkraft eines Unternehmens. Es muss jedoch immer im Kontext mit weiteren Kennzahlen und Informationen gesehen werden.

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